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Da haben wir das Geschenk

Kurz vor Weihnachten befällt viele Menschen eine gewisse Rat- und Fantasielosigkeit. Was schenken? Den Mut, es für einmal bei herzlichen Wünschen und warmen Worten bewenden zu lassen, bringen dann doch die wenigsten auf. Einen Ausweg aus dieser notorischen Misere weist uns die Firma Billag. Ein Unternehmen, dessen Beliebtheitsgrad sich locker an jenem von Cablecom messen lässt. «Die Empfangsgebühren für Radio und Fernsehen als Geschenk!Eine Idee, die Freude bereitet», preist die Inkassostelle für die gesetzlich verordnete Rundfunkfinanzierung ihre Geschenkidee an. Doch die Freude wird sich in Grenzen halten, wenn einem die reiche Tante Kunigunde mit strahlenden Augen einen Fetzen Papier überreicht, auf welchem steht: «462 Franken für Radio- und Fernsehempfang 2009 bezahlt». Schliesslich entfaltet dieses Geschenk keinen unmittelbaren Mehrwert, wie es z. B. eine Dose Gänseleber zweifellos tut. Aber immerhin hat man fast 500 Franken gespart. Und das ist auch schon was.Wenn die Billag nun zum Kniff mit dem Geschenk greift, dann vor allem deshalb, weil sie genau weiss, dass man ihre Rechnungen nicht gerne aus dem Briefkasten fischt. Noch weniger beliebt sind die Billag-Mitarbeiter, die an Haustüren klopfen und Jagd auf Schwarzseher und -hörerinnen machen. Weshalb für Radio und Fernsehen bezahlen, wenn man bereits einen Kabelanschluss bezahlt und eh nur die «Tagesschau» vom Schweizer Fernsehen schaut? Diese weit verbreitete und einfach zu vermittelnde Haltung will nun ein bisher wenig bekanntes Komitee aufs politische Parkett heben. Gebühren senken auf maximal hundert Franken pro Person (als Geschenk wären sie dann auch nicht mehr so teuer) sowie einzelne Programme von Schweizer Radio und Fernsehen streichen, so lautet das rudimentäre Gerüst der noch zu formulierenden Volksinitiative. Mit dem Anliegen sympathisieren bereits heute öffentlich gegen 20000 Personen, die sich auf der Sozialplattform Facebook im Internet zusammengefunden haben.Das Anliegen steht so quer in der Medienlandschaft, wie die Initianten in spe offensichtlich keine Ahnung von der Materie haben. Wer die Empfangsgebühren senkt, trifft nämlich nicht nur die als «Staatssender» verpönten SRG-Programme, sondern auch sämtliche Regionalfernsehen und viele Privatradios, die jährlich bis zu dreieinhalb Millionen Franken von den Geldern erhalten, die die Inkassofirma Billag bei den Schweizer Haushalten einzieht. Ausserdem wäre es mit radikal gesenkten Gebühren kaum mehr möglich, in der Romandie und im Tessin auf ähnlich anspruchsvollem Niveau wie heute Radio und Fernsehen zu betreiben. Dessen ist man sich in der Westschweiz sehr wohl bewusst. Weniger als 300 Personen zählt die entsprechende französischsprachige Gruppe auf Facebook . Im kommenden Jahr soll nun die Volksinitiative lanciert werden. Würde sie dereinst angenommen, dann hätten wir das Geschenk – im doppelten Wortsinn. Tiefere Gebühren, aber auch eine ausgedünnte Radio- und Fernsehlandschaft.Nick Lüthi ist Chefredaktor des Medienmagazins «Klartext». Äussern Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel im Internet:bundblog.derbund.ch>

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