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Aufruf an «Bund»-Liebhaber

Komitee kämpft für den «Bund» Eine gut gemachte Zeitung hat eine wichtige und zugleich vornehme Aufgabe: Sie soll zum Denken anregen. Das schafft der «Bund» immer wieder. Obwohl die Redaktion seit Jahren ausgedünnt wird, ist der «Bund» ein Qualitätstitel mit einer nationalen Ausstrahlung geblieben. Das liegt zum Beispiel an den Samstags-Interviews, den Perlen im Kulturteil und dem «Kleinen Bund». Es liegt aber auch an der soliden Berichterstattung über das Geschehen im Grossraum Bern.Martin Kall, der CEO der Tamedia, hat uns letzte Woche endgültig klargemacht: Womöglich gibt es bereits in ein paar Monaten nur noch eine Zeitung in Bern. «Qualität ist ein sehr kostbares Gut geworden», sagte unlängst der Chefredaktor der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit». Wollen wir genau auf diese Qualität verzichten? Mir graut vor der «Bund»-losen Beliebigkeit mit News-Häppchen und vielen bunten Bildchen, Stilblüten und leicht verdaulichem Konfekt.Die letzten zehn Tage habe ich sondiert und viele Gespräche geführt. Die erste Frucht davon ist das Komitee «Rettet den Bund». Im Kopräsidium sind Persönlichkeiten wie das Ständeratsduo Simonetta Sommaruga und Werner Luginbühl, Züri-West-Sänger Kuno Lauener und Christoph Stalder, Grossratspräsident 2007/08. Mit der Gründung dieses Komitees wollen wir eine Welle auslösen. Unser Aufruf an die «Bund»-Abonnentinnen und -Abonnenten, an «Bund»-Sympathisantinnen und -Sympathisanten: Treten Sie diesem Komitee bei und unterzeichnen Sie unter www.rettet-den-bund.ch die Online-Petition! Der Kampf für den «Bund» ist ein Kampf gegen den Einheitsbrei, der die Presselandschaft schleichend zu überrollen droht. Es ist aber auch ein Kampf für niveauvollen Input, ein Kampf für täglich neue Denkanstösse.Mark Balsiger, BernInitiant und Koordinator desKomitees «Rettet den Bund»www.rettet-den-bund.chDer «Bund» auf der SchlachtbankStufe um Stufe soll der «Bund», die Berner Hauszeitung mit Tradition und Niveau, liquidiert werden. Nach dessen Übernahme durch die Espace Media Groupe wurde zuerst das «Berner Modell» eingeführt. Namhafte Berner wie Charles von Graffenried verbürgten sich persönlich für diese Lösung. Die «Bund»-Lesenden wünschten Herrn von Graffenried ein möglichst langes Leben. Dieser Wunsch ist erfreulicherweise bis heute in Erfüllung gegangen, doch warf das Berner Modell zu wenig Rendite ab. Weil es einem Berner verständlicherweise Mühe macht, die beste Stadtzeitung selber zu schlachten, wurde Espace Media nach Zürich verkauft, an die Tamedia AG. Diese wiederum fordert, wie heutzutage offenbar üblich, von jedem ihrer Produkte mindestens 15% Gewinn. Weil das der «Bund» wahrscheinlich nicht erbringen kann (Abo-Zahlen und Jahresrechnungen werden geheim gehalten!) heuerte Tamedia im nahen Ausland einen k(n)allharten Manager an. Dieser soll und will nun die Tat vollbringen. Entgegen den erwarteten vollmundigen Versprechungen einer ganz tollen, starken und einzigen Berner Zeitung ist sonnenklar, dass eine Tageszeitung ohne Konkurrenz über kurz oder lang schlechter sein wird als beide ihrer Vorgängerinnen. Darum lasst uns dagegen kämpfen: Es lebe der «Bund»!Beat Zobrist, Stadtrat BernSeit über 25 JahrenDoppelabonnent «Bund» und BZEin Opfer der Fastfood-Welle? Der «Bund» kämpft ums Überleben. Es ist mir unverständlich, wieso er nicht mehr Leserinnen und Leser findet. Ich vermute, dass seine Qualität des Rätsels Lösung ist: Der «Bund» ist schlicht zu gut! Er liefert nicht plakative Beiträge für Stammtischgespräche, sondern differenzierten Journalismus. Er beschränkt sich nicht darauf, Vorurteile zu repetieren und Bekanntes neu zu verpacken, sondern fordert von uns Leserinnen und Lesern Offenheit, verleitet uns, auch Neues zu denken. Er ist für mich eine Weiter-Bildungs-Zeitung. Und das liegt nicht im Trend. Die Gratiszeitungen fördern den Buchstabenkonsum, liefern Häppchen für Smalltalk im Tram oder Büro. Farbige Zeitungskästen und Internet liefern bereits die nächsten News. Was will man sich da mit vertiefenden Kommentaren oder gar Hintergrundinformationen plagen?Jammerschade ist es, wenn die Fastfood-Welle meine Leibzeitung zum Kentern bringt. Jetzt bleibt mir nur noch die Variante, den Wunschzettel ans Christkind zu verlängern und auf ein Wunder zu hoffen (auch wenn die etwas länger dauern).Urs GrafBolligen>

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