Google und Wikipedia sind Trumpf

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Es ist eines der bestgehüteten Geheimnisse im Internet. Nach welchen Kriterien die allmächtige Suchmaschine Google ihre Treffer anzeigt, unterliegt einem patentierten Rechensatz. Nur in Grundzügen ist bekannt, weshalb welche Webseiten mit einer bestimmten Prominenz an die Oberfläche gespült werden. Unverständliches, Verborgenes und Geheimgehaltenes provoziert den Journalistengeist. Doch in diesem Fall bringt die beste Recherche nichts. Ein Weltkonzern gibt sein Erfolgsgeheimnis nicht einfach so preis. Damit bleibt nur eines: C’est à prendre ou à laisser. Und die Journalisten entscheiden sich fürs Nehmen und nicht fürs Lassen.

Wie die Ergebnisse einer neuen Studie der Zürcher Hochschule in Winterthur zeigen, nutzen 99,8 Prozent aller Schweizer Journalisten Google für ihre Arbeit. Das Problem aus Sicht der Forscher: «Was Google nicht findet, gelangt sehr schwer in die journalistische Themenfindung oder Recherche.» Und Google findet bei Weitem nicht alles. Denn – zum Glück – gibt es noch Bereiche ausserhalb der Googlesphäre im Netz. So verhindert nahezu jede vierte Webseite aktiv, dass sie komplett oder in Teilen von Suchmaschinen indexiert wird.

Bei der grossen Beliebtheit von Google als «Rechercheinstrument» erstaunt es nicht weiter, wenn auch Wikipedia ähnlich hohe Sympathiewerte unter Medienschaffenden geniesst. Denn wer einen Begriff googelt, stösst in vielen Fällen als Erstes auf die Artikel aus der Mitmach-Enzyklopädie. Selbst gestandene Berufsleute können der Versuchung nicht immer widerstehen. So macht sich zum Beispiel der Musikkritiker vor dem Konzertbesuch noch schnell in der Wikipedia zur Biografie des Künstlers schlau. Das mag im Einzelfall sogar vernünftig sein, nicht nur arbeitsökonomisch für den Journalisten, sondern auch für die Leser, die möglicherweise eine fundiertere Kritik lesen, weil sie mit wichtigen Fakten unterlegt wurde.

Im Grossen und Ganzen muss der Befund dieser Befragung aber Anlass zur Sorge geben. Wenn ein einziges Instrument und eine einzige Quelle dermassen stark den Journalismus prägen, verengt das den Blick auf die Welt. Denn bei Google und Wikipedia sind die Ergebnisse vorgeformt. Nun ist es nicht so, dass es an Alternativen mangeln würde. Und zwar nicht einfach eine andere Suchmaschine oder ein weiteres Online-Lexikon. Sondern grundlegend andere Formen der Wissensvermittlung im Internet. Das leisten Blogs oder Twitter oder handverlesene, öffentliche Linksammlungen à la Delicious. Doch davon wollen Journalisten nichts wissen. Solchen Angeboten mangle es an Glaubwürdigkeit, findet eine überwiegende Mehrheit jener 600 Berufsleute, die an der Befragung teilgenommen haben. Die Begründung überrascht, zumal die gleichen Leute Wikipedia für eine sehr glaubwürdige Quelle halten. Unzählige Blogs abzuklopfen auf verwertbare Informationen ist alleweil aufwendiger, als einen Begriff in den Google-Schlitz einzutippen. Denn dort kommt immer etwas raus.

Nick Lüthi

Nick Lüthi ist Chefredaktor des Medienmagazins «Klartext». Äussern Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel im Internet:

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Erstellt: 10.07.2009, 01:16 Uhr

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