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Unruhiges Gewebe

Theater «Eine Krebspersönlichkeit gibt es nicht», sagt die Schauspielerin Sibylle Heiniger gleich zu Beginn der Aufführung «In meinem Körper herrscht Krieg» im Schlachthaus-Theater. Die Richtung ist also klar, psychologische Krankheitstheorien, wie sie Susan Sontag in «Krankheit als Metapher» anprangert, stehen in der gut stündigen Inszenierung nicht auf dem Programm. Vielmehr wird pragmatisch die Diagnose Brustkrebs im Spannungsfeld von Chemotherapie, Forschung und Betroffenenalltag thematisiert. Was viel Stoff für eine Informationstagung abgäbe, sorgt nicht unbedingt für einen spannenden Theaterabend. Mit der jungen französischen Schau- und Puppenspielerin Johana Bory tritt zwar eine Betroffene auf, die mit ihrem Schalk und ihrer Vergnügtheit sämtliche Klischees von Krebskranken unterläuft. Doch im Projekt von Sibylle Heiniger und Dirk Vittinghoff, die beide mitspielen, werden Johana Borys Erfahrungen und ihr Talent zur Komik längst nicht ausgeschöpft. So wenig wie die Erkenntnisse der auf Brustkrebs spezialisierten Onkologin Manuela Rabaglio vom Berner Inselspital, die selber auftritt, theatergerecht umgesetzt werden. Explosiven Stoff serviert die Oberärztin im Schlachthaus, und ihr Schweigen auf einige der inquisitorischen Fragen zur Rolle der Pharmaindustrie im hochprofitablen Geschäft mit dem Brustkrebs ist denn auch einer der wenigen Momente, der das dramatische Potenzial der Geschichten rund um das «unruhige Gewebe», wie die Brustdrüse bezeichnet wird, sichtbar macht. Doch Dirk Vittinghoff und Sibylle Heiniger gelingt es nicht, Manuelas Rabaglios mutigen Einsatz und Johana Borys subversive Komik dramaturgisch zu einem packenden Theaterabend zu legieren. Da muss die Oberärztin vielmehr am Hellraumprojektor überaus komplexe und komplizierte Vergleichsstudien zu Krebsmedikamenten kommentieren oder mit Johana Bory ein nettes Beratungsgespräch über eine neue Chemotherapie abhalten. Dürre Szenen, die nicht weniger ratlos machen als das ziemlich unmotivierte und wiederholte Turnen zu viert oder das Glas Wein, das die vier am Schluss zelebrieren, um zu illustrieren, wie toll die Zeit gewesen ist, die sie miteinander verbracht haben. (bnb)Vorstellungen . 5. und 6. Juni 20.30 Uhr, So, 7. Juni, 19 Uhr, im Schlachthaus-Theater Bern. >

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