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Seine Spuren bleiben sichtbar

Heinrich Gurtner ist 84-jährig gestorben, ein vielseitig engagierter und geradliniger Musiker, der als Pädagoge ebenso geliebt und geschätzt wurde wie als Interpret.

Ein bescheidener, stiller Mensch sei er gewesen. Gleichzeitig ein humorvoller und unterhaltsamer Freund, der es verstand, seine Mitmenschen zum Schmunzeln und zum Lachen, aber auch immer wieder zum Nachdenken zu bringen.Das sagen jene über Heinrich Gurtner, die ihn gut gekannt haben. Und wer das Glück hatte, von ihm in die Geheimnisse des Orgelspiels eingeweiht zu werden – in Bern sind dies eine ganze Reihe –, erinnert sich an seine Kompetenz, seine Geradlinigkeit und – ganz besonders – an seine Geduld: Nicht nur Talente, sondern auch unbegabtere Schüler habe er verstanden zu fördern. Nun ist Heinrich Gurtner 84-jährig gestorben. Er war ein Vorbild für eine ganze Generation von jungen Musikern. Als Hauptlehrer für Klavier und Orgel hat er einst am Staatlichen Seminar Bern-Hofwil seine musikalische Tätigkeit begonnen, in jener Stätte, die er als Jüngling einmal selber durchlaufen hatte. Gleichzeitig wirkte er ab 1949 als Organist an der Petruskirche. Gütig und strengDas Musikstudium absolvierte Gurtner am Konservatorium Bern bei Kurt Wolfgang Senn (Orgel) und Pierre Souvaivan (Klavier), in Freiburg, Paris und Den Haag bildete er sich weiter. Mitte der 1960er-Jahre übernahm er an der Berufsschule des Berner Konservatoriums eine Orgelklasse. «Mit strenger Güte und gütiger Strenge» habe er diese verantwortungsvolle Aufgabe erfüllt, sagt eine seiner ehemaligen Studentinnen. Die Übernahme der Orgelklasse am Konsi war mit seinem Amtsantritt 1966 als Organist am Berner Münster verquickt. Eine wichtige Phase in Gurtners Leben. Fast ein Vierteljahrhundert (bis 1989) sollte sie dauern. Der Musiker schien keine Schwierigkeit damit zu haben, das Organistenamt, das ihm zahlreiche Pflichten aufbürdete, mit seinem Drang nach individueller künstlerischer Freiheit zu verbinden. Wie selbstverständlich ordnete er seine Orgelkunst in ein ganzheitliches musikalisches Denken und empfand keinen Zwiespalt zwischen seiner Interpretationskunst und der Aufgabe als dienender Vermittler im Gottesdienst. Nicht nur als Pädagoge, sondern auch als Interpret prägte Heinrich Gurtner, der am 15. Oktober 1924 im bernischen Wattenwil geboren worden war, das Berner Musikleben. Und durch seine intensive Konzerttätigkeit machte er sich international einen Namen. Mit seinem klaren, innerlich belebten Spiel, das die Kritik als «stilvoll» umschrieb, begeisterte der Organist seine Zuhörer. Schon früh fand er zu einem persönlichen Interpretationsstil: Er brachte musikalische Linie und Klang in eine Balance, verband impulsive Lebenskraft mit einem ordnenden Willen und überhöhte spontanes Gefühl mit geistiger Durchdringung. Vielseitige InteressenGurtners zahlreiche Radio- und Schallplattenaufnahmen zeugen von der hohen Qualität seiner Interpretation. Sie dokumentieren auch seine Offenheit: Mit der gleichen Leidenschaft, mit der er sich dem traditionellen Repertoire widmete, setzte er sich für die Uraufführung neuer Musik ein. 1983 wurde er für sein Wirken mit dem Anerkennungspreis des Kantons Bern ausgezeichnet. Gurtner engagierte sich auch als Berater in der Arbeitsgemeinschaft für schweizerische Orgeldenkmalpflege. Der Orgelbau faszinierte ihn: Und so wurde unter anderem auf sein Bestreben hin die Rekonstruktion der Chororgel im Münster in Angriff genommen.In der Öffentlichkeit hat Heinrich Gurtner sich stets zurückgenommen. Er nahm auf seine Weise Stellung zur Welt: durch sein musikalisches Wirken. Als prägende Figur im Berner Musikleben hat er Spuren hinterlassen. Sie werden sichtbar bleiben im musikalischen Schaffen seiner zahlreichen Studenten, die sein Erbe weitertragen.

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