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Schweizer gegen Deutsche

Die «Fondue Oper» im Schlachthaus-Theater erweist sich als gelungene Mischung aus Schauspiel, Oper und Kabarett.

Fünffach prangt das Matterhorn auf einem Grossbildschirm, vor dessen Hintergrund sich die aus Deutschland stammende Kochbuchautorin Astrid ein Fondue bestellt, das ihr die junge Schweizerin Yvonne widerwillig serviert. Der urchige Schweizer Lehrer Urs fordert Yvonne auf, «die Deutsche» freundlicher zu behandeln, setzt sich schliesslich zu dieser und stellt sich mit dröhnendem Bariton vor. Während Astrid ihr Schweizerdeutsch beibehält, beharrt Urs stur auf der »Standardsprache«, die in seiner Schule auch während des Turnunterrichts gesprochen werde, wie er stolz verkündet.

Beim Küsschen nach dem ersten an die Käsemasse verlorenen Brotstück kommen sich die beiden näher. Da taucht Ralf auf, entlädt einen wütenden Monolog über Deutsche und gesellt sich an Urs’ und Astrids Tisch. In der Folge entfaltet sich mit zunehmendem Alkoholkonsum eine immer gehässigere Diskussion über Sprachen, nationale Identitäten und Gegensätze, Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit. Nicht weniger kompliziert wird das Ganze mit dem Auftritt der wegen ihrer dunklen Hautfarbe exotisch wirkenden Schweizer Sängerin Leslie.

Gekonnte Verfremdungen

Den Einakter von Guy Krneta und Till Löffler haben Regisseurin Ursina Greuel, ein fünfköpfiges Schauspielensemble der «Matterhorn Produktionen» sowie die Pianisten Simone Keller und Marino Bernasconi als bunte Mischung von Theater, Kabarett und Konzert umgesetzt, in der operntypische Elemente wie Duette und Arien vorkommen, wenn auch gekonnt verfremdet. So steht nicht die gesangliche Qualität der Spielenden und Singenden im Vordergrund, sondern die Art und Weise, wie diese ihre Stimmen einsetzen, um die Figuren zu charakterisieren.

Ralfs lauter Tenor etwa nimmt das Klischee des direkten, taktlosen Deutschen auf die Schippe, während Astrids auf einem einzigen und falsch intonierten Ton bleibender Gesang ihr eine gewisse Einfältigkeit unterstellt. Leslies Darbietung wirkt ebenso überspitzt wie Urs’ krampfhafte Bemühungen um Weltoffenheit oder Ralfs demonstrative Aufgekratztheit. Dies führt zu einer Kaskade von Missverständnissen, bis vom Gespräch nichts übrig bleibt als ein betrunkenes Geplänkel über die richtige Aussprache von Worten wie Fondue oder Croutons. Schliesslich endet das Stück grotesk mit einer Alphorneinlage Leslies, die sie dem mittlerweile komatösen Ralf widmet. Urs, Astrid und Yvonne begleiten sie sprachlos summend und kratzen wie besessen an der angebrannten Kruste in den Caquelons, deren Duft gemeinsam mit den finalen stürmischen Klaviertönen den Raum erfüllt.

Die Inszenierung lebt in erster Linie vom Wortwitz sowie den gelungenen verbalen und darstellerischen Leistungen. Doch auch die stilistisch breit angelegte und überzeugend gespielte Musik verleiht der «Fondue Oper» zusätzlich Farbe und Tempo. Besonders amüsant ist nicht zuletzt die surreale Videoprojektion, welche die trügerische Idylle der fünf Matterhörner angesichts der Streitigkeiten schmelzen lässt.

Weitere Vorstellungen Heute und morgen jeweils um 20.30 Uhr im Schlachthaus-Theater.

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