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Plattform für Neues und Bewährtes

In Zürich soll offenkundig in der Saison 09/10 das Theater nicht neu erfunden, sondern in all seinen heutigen Möglichkeiten präsent gemacht werden.

Vorerst ist der Auftritt der Ära Frey im Zürcher Schauspielhaus optisch noch geprägt vom Grafiker Cornel Windlin, der ziemlich gewöhnungsbedürftige Plakate mit einem grossen leeren Fleck mittendrin gestaltet hat und dem auch das Jahresprogramm zu verdanken ist, das 132 Seiten Fotocollage zur Geschichte Zürichs und zu Prominenzen von Trudi Gerster bis Corine Mauch enthält und im Mittelteil die 27 Mitglieder des Ensembles im Stil einer Hochzeitsreportage der Fünfzigerjahre zeigt.Zurück im SchiffbauAmbitioniert, vielfältig und auf keine bestimmte Stilrichtung festgelegt gibt sich das Programm der Saison 09/10, das Barbara Frey an ihrer ersten Pressekonferenz als Schauspielhausdirektorin vorstellte. Nicht im Alleingang, sondern zusammen mit ihrer Dramaturgie, zu der u.a. auch die Autoren Lukas Bärfuss und Thomas Jonigk gehören, die zugleich mit neuen Stücken in Erscheinung treten werden. Die Präsentation fand demonstrativ im Schiffbau statt, der nach der weitgehenden Abstinenz von Matthias Hartmann nun wieder voll bespielt werden soll: mit 6 Produktionen in der grossen Halle, 6 in der Box und 4 Veranstaltungen des Jungen Schauspielhauses in einem Matchbox getauften neuen Raum.Zehn Uraufführungen Waren in der Saison 08/09 noch 16 Premieren und 7 Wiederaufnahmen angesagt, so plant Barbara Frey in ihrer ersten Saison nun, die Produktionen des Jungen Schauspielhauses nicht gerechnet, in beiden Häusern insgesamt 27 Premieren. Davon gehören 11 Abende zur Sparte Klassik oder moderne Klassik, 10 sind Uraufführungen, während der Rest dem Bereich Tanz, der Dramatisierung von Erzähltexten (Parzival, Kafkas «Verwandlung») oder der künstlerischen Performance zugehören. Barbara Frey führt in zwei Neuproduktionen selbst Regie, gibt aber einer ganzen Reihe jüngerer und älterer Regisseure wie Stefan Bachmann, Sebastian Nübling, René Pollesch, Karin Henkel, Werner Düggelin, Martin Kusej, Frank Castorf, Clemens Sienknecht, Ruedi Häusermann, Barbara Bilabel und Nina Mattenklotz Gelegenheit, ihre Lesarten in den Stil des Hauses einzubringen.Schiller und Keller Barbara Frey eröffnet die Saison am 17. September im Schiffbau mit Schillers «Maria Stuart» und lässt bereits einen Tag später Stefan Bachmann im Pfauen mit Thomas Jonigks als Uraufführung angekündigter Adaption von Gottfried Kellers «Martin Salander» zu Wort kommen. Weitere Uraufführungen werden sein: «Calvinismus Klein», ein von ihm selbst inszeniertes Stück von René Pollesch, das als «Mischung von Unterwäsche und Religion» ankündigt wurde, ein noch namenloses Stück von Lukas Bärfuss, ein von Heiner Goebbels inszeniertes szenisches Konzert des Collegium Novum Zürich mit dem Titel «Industry and Idleness», sodann «Heuschrecken» von Stefan Kaegi, eine Produktion, in der Heuschrecken die Hauptdarsteller sein werden, eine neue Choreografie von Sasha Waltz und Ruedi Häusermanns theatralisch-musikalische Collage «Der Hodler». Nicht zuletzt aber wird dem hochkarätigen Ensemble Gelegenheit gegeben, sich in grossen Texten der Theaterliteratur zu bewähren: Marivaux’ «Triumph der Liebe», Gogols «Revisor», die «Alkestis» des Euripides, Shakespeares «Was ihr wollt», Ben Jonsons «Volpone, Heiner Müllers «Quartett», «Der Hofmeister» von J.M.R. Lenz, «Der Tausch» von Paul Claudel und «Rechnitz» von Elfriede Jelinek.Das reich befrachtete Programm wird sekundiert von weiteren Veranstaltungen wie der Lesereihe «Nachtmahr-Abtei» von Werner Morlang oder der Diskussionreihe «Weisse Flecken» von Lukas Bärfuss. Viel und Abwechslungsreiches, aus dem sich die Perlen erst noch herauskristallisieren müssen.

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