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Mit Dramatik und Witz

Werke von Bernd Franke, Beethoven und Tschaikowsky standen auf dem Programm eines mitreissenden und spannungsvollen Sinfoniekonzerts unter Andrey Boreykos Leitung im Berner Kultur-Casino.

Was hat man sich unter dem merkwürdig anmutenden Begriff «Ferncello» vorzustellen? Der 1959 im deutschen Weissenfels geborene Komponist Bernd Franke beantwortete die Frage am vergangenen Donnerstag anhand seines erstmals in der Schweiz aufgeführten «Cut VIII» aus den Jahren 2005 und 2006: Auf der Höhe der 19. Reihe sass der Cellist Constantin Negoita im Mittelgang und trat mit dem auf der Bühne spielenden Berner Symphonieorchester (BSO) in einen spannungsvollen musikalischen Dialog. Dadurch fanden sich die Zuhörer urplötzlich inmitten des Geschehens wieder.Das Cello im PublikumDieser überraschende und originelle Beitrag eröffnete das mitreissende Konzert, das nebst Frankes Werk mit Kompositionen von Ludwig van Beethoven (1770–1827) und Peter Tschaikowsky (1840–1893) aufwartete. Und von allem Anfang an zeigten sich die Musikerinnen und Musiker in brillanter Verfassung. So klang der Streicherteppich zu Beginn von «Cut VIII» dermassen fein gesponnen und zugleich neblig verhangen, dass sich eine geradezu märchenhafte Atmosphäre im Saal breitmachte. Ausserdem wirkte die Zwiesprache zwischen Negoita, dem Orchester und seinem Chefdirigenten Andrey Boreyko äusserst souverän. Der Cellist Alexander Kaganovsky sowie Konzertmeister Alexis Vincent traten überdies ebenfalls solistisch in Erscheinung und verzauberten das zahlreich anwesende, begeisterte Publikum mit den leidenschaftlichen, aber differenzierten Tönen, welche sie ihren Instrumenten entlockten.Atemberaubend leichtfüssigAuch im weiteren Verlauf des Abends erwiesen sich Boreyko und das BSO als bestens eingespieltes Gespann, das die wechselhaften Stimmungen und Tempi der von Mikhail Pletnev zusammengestellten Suite aus Tschaikowskys monumentalem Ballet «Dornröschen» (1888–1889) mit Verve und hohem Einfühlungsvermögen meisterte. Abermals berührte Vincent mit emotionalen Geigenmelodien über zarter Begleitung, Line Gaudard liess kräftige Harfenakkorde aufschwingen, und die Blechbläser verliehen der eingängigen «Valse» sowie dem abschliessenden «Pas d’action» aus dem ersten Akt unter Boreykos energischem Dirigat mit kraftstrotzenden Einlagen festlichen Glanz. Da störten auch die wenigen rhythmischen Unsicherheiten gegen Ende der Darbietung nur wenig.Den eindeutigen Höhepunkt des Abends stellte die Interpretation von Beethovens drittem Klavierkonzert c-Moll (1800–1802) durch den grandiosen Gastsolisten Emanuel Ax dar. Ob heftig auftrumpfend und mit viel Charme während der Coda des Kopfsatzes und anderen schwungvollen Stellen oder im zerbrechlichen Pianissimo, das den ergreifenden zweiten Satz anheben liess – die technische Versiertheit, Energie und Präzision des in New York lebenden Tastenvirtuosen waren schlicht atemberaubend.Ax wusste dem ohnehin facettenreichen Werk aufgrund seines sensiblen und wandelfähigen Anschlags unzählige dynamische Nuancen zu entlocken, wodurch die Dramatik der einleitenden Mollakkorde ebenso zur Geltung kam wie der bisweilen übermütige Witz des Schlusssatzes und das feierliche «Largo» in der Mitte der Komposition. Schliesslich gebührt Orchester und Dirigent auch für diesen Programmpunkt ein grosses Lob, interagierten sie doch untereinander und mit Ax derart leichtfüssig, exakt und kunstvoll, als hätten sie das Stück seit Jahren zusammen gespielt.>

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