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Luxuriöse Übergangslösung

David Gatti ist der aktuelle Lieblingsdirigent der Wiener Philharmoniker und geniesst auch sonst einen guten Ruf. In Zürich bleibt er allerdings nur als Übergangslösung bis 2012.

Man staunte nicht schlecht bei der letzten Spielplanpräsentation von Alexander Pereira. Unter den Premieren für die kommende Saison ist eine Inszenierung von Richard Strauss’ «Elektra», die schon 2007 herauskam und auf DVD veröffentlicht wurde. Begründet wurde diese Programmierung mit einer vollständigen musikalischen Neueinstudierung. Anderswo heisst das Wiederaufnahme. Aber seit der Medienkonferenz von gestern ist klar, was dahintersteckt: Die «Elektra» wird von Daniele Gatti dirigiert, der ab der im September beginnenden Saison neuer Chefdirigent des Opernhauses wird.Der 48-jährige Mailänder Gatti ist ein grosser Name und zweifellos ein guter Dirigent, wie er in die Personalpolitik Alexander Pereiras passt. Er hat Verdi an der Staatsoper Wien dirigiert und klassische Moderne in Mailand, gilt als aktueller Lieblingsdirigent der Wiener Philharmoniker, eröffnete im Sommer 2008 die Bayreuther Festspiele und die prestigeträchtige «Inaugurazione» der Mailänder Scala. Für diesen «Don Carlo» erntete er allerdings auch Buhs, die ihn möglicherweise den (ebenfalls verwaisten) Chefdirigentenposten dort kosteten. Und auch als Chefdirigent an der Staatsoper München soll Gatti im Gespräch gewesen sein, bis Kent Nagano seinen Vertrag doch verlängerte. Diese Geschichten will natürlich niemand bestätigen. Sicherung der Qualität?Ein handfesterer Hinweis darauf, dass Gatti nicht nur auf die Position in Zürich gewartet, obwohl Pereira ihn sich «wahnsinnig gewünscht» hat, ist der Zeitpunkt des Vertrags. Vor fast genau einem Jahr hievte man kurzfristig eine Aufführung des Verdi-Requiems in den Spielplan, ein sehr inniges Bewerbungskonzert als Gattis erster Auftritt am Opernhaus. Orchester und Chor des Opernhauses hätten sich danach «mit überwältigendem Mehr» für Gatti als neuen Chef ausgesprochen. Orchestervorstand Urs Dengler sagt bei der Medienkonferenz, dass dieses Konzert auch für viele Musiker ein Höhepunkt der Karriere war, «obwohl an guten Dirigenten bei uns kein Mangel herrscht». Gatti wird nun Chefdirigent, aber nicht Generalmusikdirektor wie sein Vorgänger Franz Welser-Möst. Sechs Opern und mindestens ein Konzertprogramm pro Jahr wird er hier leiten. Lauter wenig überraschende Filetstücke sinds, wie die beiden letzten Opern Verdis und «Parsifal» und «Meistersinger» von Wagner, aber kein Repertoire wie Welser-Möst (abgesehen von Wiederaufnahmen der eignen Premieren jeweils die Spielzeit darauf). Das ergibt wachsende Präsenzzeit, bis es 2011/12 rund 30 Abende sein werden. Die Frage, wie stark er darüber hinaus in die administrative Führung mit einbezogen wird, blieb offen – und damit auch, ob die Besetzung des Postens das ist, was zur Sicherung oder Steigerung der hohen Qualität des Opernhausorchesters nötig ist.Klar aber ist Gatti eine Übergangslösung, denn sein Vertrag dauert nicht länger als bis zu Pereiras Ablösung im Sommer 2012. Bei den üblichen Vorlaufzeiten der Opernwelt von drei bis fünf Jahren ist das schon morgen. Mit Pereiras Nachfolger Andreas Homoki habe er lediglich einmal gesprochen, sagte Gatti am Donnerstag. Und über die Regie, zu oft der Schwachpunkt am Opernhaus, wollten Pereira und Gatti auch nicht reden.>

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