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Grossmeister des Jazzpianos in Bern

Diese Woche ist in der Inneren Enge mit dem Pianisten Cedar Walton ein Musiker zu hören, der an der Jazzgeschichte mitgeschrieben hat.

Lee Morgan, Hank Mobley, Art Farmer, Dexter Gordon und viele, viele mehr. Sie alle versicherten sich seiner Dienste, wenn es darum ging, einen perfekten Begleiter zu gewinnen, der die zahllosen Aufnahmen, an denen er mitgewirkt hat, vergoldete. Die Rede ist vom 1934 in Dallas geborenen Pianisten Cedar Walton, der nach Musikstudien an der örtlichen Universität 1955 nach New York kam, jedoch alsbald einberufen wurde, so dass seine Laufbahn erst drei Jahre später, nach der Entlassung aus der Armee und der Rückkehr in den Big Apple, ihren Anfang nahm. Der war aber umso fulminanter. Waltons erste Stationen waren nämlich die Band von J. J. Johnson, das Jazztet und die Jazz Messengers von Art Blakey. Damit hatte er sich sein Adelsprädikat verdient.

Was das Spiel von Cedar Walton bis heute auszeichnet, ist sein untrüglicher Geschmack und seine Vielseitigkeit. Zwar ist er ein, wenn nicht gar der Hard-Bop-Pianist par excellence – ein Titel, den ihm höchstens Horace Silver streitig machen könnte –, doch reflektiert Waltons Ansatz auf selten elegante Weise die ganze Bandbreite dieses Jazzstils, der weit mehr in sich hat, als die vereinfachende Formel Bebop plus Gospel glauben machen könnte: Walton steht ebenso für kernigen Groove-Jazz wie für versonnene Balladen, wobei seine Liebe zum Bop und zu Bud Powell mit einem Flair für den Blues und die Rhythmik des Latin-Jazz einhergeht.

Neu erweckter Evergreen

Eine derartige Latin-Färbung verpasste Cedar Walton bei seinem Gastspiel in der Inneren Enge auch dem Evergreen «Body and Soul». Wie er nun dieses scheinbar ausgeleierte Stück neu angeht, zeigt sein grosses Können, beginnend mit der verspielten Einleitung, die allein schon die ganze Nummer wert ist. Waltons Interpretation des Standards gerät zu einem Kabinettstück, in dem ein hübscher melodischer Einfall den nächsten jagt. Begleitet wird der Pianist dabei von zwei Musikern, die schon des öfteren in Marian’s Jazzroom zu hören gewesen sind, nämlich vom Bassisten Reggie Johnson, dessen kontrapunktische Linien sich bestens zu denjenigen Waltons fügen, und dem Schlagzeuger Alvin Queen, dem man, gerade im Rahmen eines Pianotrios, eine etwas leichtere Hand wünschte.

Eine andere Kostprobe seines Könnens liefert Walton auf dem seiner Wahlheimatstadt gewidmeten Chesky-Album «New York Time» (Musikvertrieb): Die ohne jeglichen aufnahmetechnischen Schnickschnack eingespielte CD dokumentiert das spontane Stelldichein zweier Generationen – Walton und der Schlagzeuger Jimmy Cobb gehören der älteren an, der Bassist Christian McBride und der Tenorist Javon Jackson vertreten die jüngere –, die gemeinsam aus dem Moment heraus zeitlose Musik erschaffen. Die gewollt «natürliche» Atmosphäre der in einer Kirche aufgenommenen Platte kommt in erster Linie Waltons Flügel zugute, derweil Jacksons Saxofon ungewohnt distanziert tönt. In Marian’s Jazzroom bietet sich nun die Gelegenheit, Cedar Walton, und damit einen Grossen der Jazzgeschichte, live zu erleben.

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