Zum Hauptinhalt springen

Frauen, Frauen, Frauen

Frauenfiguren dominierten den Berlinale-Wettbewerb. Den Abschluss machten ein bilderstarker Film aus Peru und eine brillante Renée Zellweger als Frau, die auf der Suche nach dem richtigen Mann sich selbst findet.

Es waren die weiblichen Stars, die dieses Jahr an der Berlinale für Glamour sorgten, Kate Winslet, Michelle Pfeiffer, Demi Moore und zuletzt Renée Zellweger. Und es waren die weiblichen Figuren, die den Wettbewerb nicht bloss prägten, sondern geradezu dominierten. Da gab es die einsame Kriegerin, die sich in «Little Soldier» an der Heimatfront aufreibt, da spielte Michelle Pfeiffer eine Belle-Epoque-Kurtisane, die am Alter und der Liebe leidet, da wurde in François Ozons «Ricky» eine Mutter mit einem Wunderbaby gesegnet, kämpfte Kerry Fox in «Storm» als Anklägerin am Kriegsverbrechertribunal in Den Haag für Gerechtigkeit oder sorgten sich Demi Moore und Parker Posey im – allerdings eher belanglosen – Familienfilm «Happy Tears» um ihren demenzkranken Vater.Dieser Linie blieb der Wettbewerb bis zum Schluss treu, der mit zwei überraschenden Filmen aufwartete. So zeigt sich Renée Zellweger, die zuletzt zu einer Kopie ihrer selbst zu werden drohte, im clever geschriebenen und charmanten Fifties-Roadmovie «My One and Only» des Amerikaners Richard Loncraine. Der Film basiert auf den Jugenderinnerungen des Schauspielers George Hamilton. Zellweger spielt eine Luxusgattin, Kevin Bacon ihren Mann, einen Bandleader und Schürzenjäger. Er hat das Geld, sie hat die Aphorismen, und als sie seine Seitensprünge satt hat, fährt sie mit ihren beiden Söhnen quer durch die USA auf der Suche nach einem neuen Mann mit dicker Brieftasche. Der Egotrip einer fast schon manisch positiv denkenden Frau (Leitsatz: «Schau nie zurück!») wandelt sich zur glücklichen Selbstfindung, und am Ende bejaht der glänzend unterhaltende Film, was er zwischenzeitlich zu demontieren scheint: Die Strahlkraft des amerikanischen Traums.Magische KartoffelEine Reise mit positivem Ende erzählt auch der peruanische Beitrag «La teta asustada», obschon er denkbar grausam beginnt. Singend erzählt eine sterbende Mutter ihrer Tochter, wie sie als Schwangere in den Jahren des Terrors vergewaltigt wurde. Die Tochter, auf die das Leid mit der Muttermilch überging, ist traumatisiert. Sie hat sich von der Welt abgeschottet und zum Schutz vor Vergewaltigern eine Kartoffel in die Vagina gestopft. Die Kartoffel aber wächst und spriesst. Der Film mit der Kartoffel, wie «La teta asustada» bereits genannt wird, stammt von Claudia Llosa, einer Nichte des Schriftstellers Mario Vargas Llosa, die 2006 bereits mit ihrem Erstling «Madeinusa» – mit derselben eindrücklichen Hauptdarstellerin, Magaly Solier – für Aufsehen gesorgt hat. Wieder erzählt Llosa in poetischen Bildern die Geschichte einer Selbstfindung und Selbstbefreiung. Ihre erhebliche erzählerische Fantasie ist gespeist aus der Kultur und den Ritualen der indigenen Bevölkerung Perus, vor der sie sich tief verbeugt. Der Film ist zwar zuweilen symbolisch überladen, aber er zählt zu den originellsten und überraschendsten Werken im Wettbewerb – ein Werk, das spriesst und magische Blüten treibt wie die Kartoffel der Heldin.Spekulation um FavoritenWird Llosas Film heute zu den Preisträgern zählen? Oder etwa die schwarze Variante dazu, «Katalin Varga», die brutal endende Geschichte einer Frau, die sich an ihrem Vergewaltiger rächt, dabei aber zum zweiten Mal zum Opfer wird. Der mit religiöser Symbolik, wabernden Nebeln und unheilvollen Klängen aufgemotzte Film, den der Engländer Peter Strickland in den mythischen Karpaten gedreht hat, polarisierte die Kritik ähnlich wie François Ozons «Ricky».Als Favoriten gehandelt werden in der deutschen Presse Hans-Christian Schmids «Storm», das Beziehungsdrama «Alle anderen» von Maren Ade, die amerikanische Irak-Reflexion «The Messenger», «London River» von Rachid Bouchareb und der iranische Film «About Elly». Die Jury wolle einen Film auszeichnen, der politisch etwas bewege oder ästhetisch überrasche und provoziere, sagte Jurymitglied Christoph Schlingensief. Was das heisst, zeigt sich heute Abend.>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch