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Falsche Werte weglecken

Parallel zum Manor-Kunstpreis-Träger San Keller zeigt das Centre Pasquart die erste Schweizer Museumsausstellung von Costantino Ciervo. Der in Berlin lebende Italiener Ciervo beschäftigt sich in seinen Arbeiten intensiv mit der Entwicklung der westlichen Gesellschaft. Seine Reflexionen spiegeln sich in anspruchsvollen Installationen. In «Mass-Namen» etwa gruppiert er um einen runden Tisch Stühle mit in die Sitze eingelassenen Bildschirmen, auf denen Politiker, Pflanzen und Viren zu sehen sind. In der gläsernen Tischplatte leuchten die Zahlen 0 und 1, die in der Computersprache für wahr und falsch stehen und hier in wahllosem Wechsel aufblinken. Es ist ein bizarrer Scheindialog der zwischen dem Menschen und der produktiven (Pflanzen) sowie destruktiven (Viren) Natur geführt wird. Neue Medien, neue Technologien ermöglichen neue Formen der Kommunikation. Zu mehr Verständnis führt das nicht unbedingt, wie Ciervos Arbeit zeigt.Kernstück der Ausstellung ist die Installation «Perversion of Signs», für die der 47-jährige Ciervo in der Salle Poma 84 Monitore zur Pyramide angeordnet hat. Auf den Bildschirmen sieht man Zungen, die auf Glas gemalte Zeichen aus Zuckerglasur ablecken. Dollarzeichen, Euro-Signet und das M, das weltweit für Frikadellenbrötchen wirbt, verschwinden unter Schmatzgeräuschen. Auch politische und religiöse Zeichen, Kreuze, Adler und Gestirne verschiedenster Gesinnungen werden einfach weggeschleckt. Was gewichtig erscheint, verwandelt Costantino Ciervo in substanzlose Zuckermasse und gibt so Stoff zum Nachdenken über wahre Werte und falsche Sicherheiten. An den Wänden rings um die Pyramide hängen die Namen und Daten der 84 Personen, die an dieser Auflösung hinterfragbarer Werte teilgenommen haben. Sie stammen aus allen Gesellschaftsschichten und dokumentieren so Ciervos Versuch, möglichst viele, unterschiedliche Menschen in seinen kritischen Dialog einzubeziehen. (ah)Die Ausstellungim Centre Pasquart Biel dauert bis 14. Juni.>

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