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Erst gefeuert, nun gefeiert

Als ein «Meister des Handwerks und der Kunst» würdigte Luc Bondy den Starregisseur Peter Stein, der in Zürich den diesjährigen Festspielpreis in Empfang nehmen konnte und für seine Inszenierung von Kleists Lustspiel «Der zerbrochne Krug» bejubelt wurde.

Für die leitenden Damen und Herren der Zürcher Festspiele schloss sich ein Kreis. 1969 war Jungregisseur Peter Stein nach drei Monaten am Schauspielhaus entlassen worden; jetzt, vierzig Jahre später, kehrte er zurück, um den zum dritten Mal vergebenen Festspielpreis in Empfang zu nehmen. Erst gefeuert, nun gefeiert. Aber Stein wäre nicht Stein, wenn er nicht auch am Freitagabend die Harmonie gestört hätte.

«Kreise schliessen sich nie»

Nicht dass seine kluge und witzige, sehr genaue Inszenierung von Heinrich von Kleists Lustspiel «Der zerbrochne Krug» beim geladenen Publikum Anstoss erregt hätte. Vor allem Klaus Maria Brandauer als gefallener Dorfrichter Adam wurde bejubelt. In seiner Dankrede im Kunsthaussaal aber hielt der heute 72-jährige Stein so höflich wie bestimmt fest: «Kein Kreis schliesst sich, Kreise schliessen sich nie.» Er habe seine Zeit in Zürich nicht so erfahren, als habe ihm die Stadt etwas angetan. Zürich sei ihm noch heute vertraut und ausserhalb der Schweiz könne er auch ganz gut das Schweizerdeutsch nachmachen.

Am Schauspielhaus hätten er und sein Team die Grundlagen für die spätere Arbeit der Berliner Schaubühne gelegt, betonte Stein. Und keine andere Stadt habe aufwendige Schaubühne-Aufführungen wie Ibsens «Peer Gynt» und Shakespeares «Wie es Euch gefällt» bereitwilliger zu Gastspielen eingeladen. In Zürich, so resümierte Stein, habe er einen «Mix aus Fränkli bezogener äusserster Borniertheit und Kunstversessenheit, ja –besessenheit» erlebt.

Hochsensible Künstlerseele

Mehr als der Preis und die damit verbundenen 50000 Franken, die der gute Rechner allerdings bestimmt zu schätzen weiss, rührten den Starregisseur die Lobesworte seines Kollegen und Freundes Luc Bondy. Bondy, der den Festspielpreis letztes Jahr erhalten hatte, feierte Stein als einen Meister des Handwerks und der Kunst. Hinter dem preussischen Äusseren verberge sich «eine hochsensible Künstlerseele». Steins Theaterwissen sei unerschöpflich: «Wenn man sich nicht für einzigartig hält – der Beruf wimmelt allerdings von solchen Verblendeten – kann man von Stein ganz viel lernen.»

www.zuercher-festspiele.ch

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