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«Ein Bild in 28 Bildern»

Eine Grafikserie lässt den Landvermesser K. durch eine verschattete Welt voller

Dass dieser Mann ein Fremder ist, sieht man sofort. Ein breitkrempiger Hut schirmt ihn ab. Sein Gesicht bleibt ein Schatten. Der Ort, in den er kommt, ist ein Gedränge dunkel verschlossener Häuser. Der Kern der Geschichte teilt sich unmittelbar mit, noch bevor man auch nur einen Blick auf die kurzen Texte zu den Zeichnungen geworfen hat: Hier ist einer, von weit her gekommen, der Zugang sucht, Gemeinschaft in einem Ort, der sich gegen ihn verschliesst.Auch Georg Lukacs ist einer, der von weit her gekommen ist. Geboren wurde er 1933 in Budapest, seit 1956 lebt der vielseitig Gebildete, der unter anderem Biologie, Kunstgeschichte und Kunst studiert hat, in Bern. Im Brotberuf als Psychologe tätig, lebt Lukacs seine künstlerischen Neigungen privat, aber keineswegs unbeachtet. Seine Fotografien und Zeichnungen waren bereits in etlichen Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen.Jetzt legt der 76-Jährige in einer Reihe von Grafiken eine Adaption von Franz Kafkas «Das Schloss» vor. Die Bildserie, durch kurze Texte ergänzt, versteht sich nicht als Illustration des Romans, sondern «als ein Bild in 28 Bildern», wie Lukacs es formuliert. Eigenständig erzählen die Zeichnungen den berühmten Stoff um den Landvermesser K., der in ein winterlich verschneites Dorf kommt und vergebens versucht, in das Schloss zu gelangen, das den Ort topographisch wie auch metaphorisch überragt.Die Kunst, ein bekanntes Thema mit eigenen Mitteln neu zu erzählen, wird in unserer auf Novitäten erpichten Gesellschaft manchmal unterschätzt. Lukacs gelingt es, so nahe an der literarischen Vorlage zu bleiben, dass diese klar erkennbar bleibt, jedoch auch Freiräume für eigene künstlerische Akzente zu öffnen. In seinen so einfachen wie eindringlichen Zeichnungen werden vor allem die Einsamkeit und Verirrung des Landvermessers nachfühlbar. Die tiefen Schatten auf dem Gesicht der Hauptfigur und den Fassaden der Häuser betonen das Motiv der Fremde. Das einsame Umherirren des Landvermessers, seine unerfüllte Sehnsucht, an ein Ziel zu gelangen, verdeutlichen sich in prägnanten Symbolen wie den Barrieren, die überall im Dorf die Wege versperren und am Schlosshang gleichsam ein Labyrinth aus Balken bilden.Zur Präsentation seiner Zeichnungen in Oberdiessbach hat Georg Lukacs auch ein selbst verlegtes Buch in kleiner Auflage vorbereitet, das in der Ausstellung erworben werden kann. Später will Lukacs sein «Schloss» vielleicht auch in einem Verlag publizieren.Die Ausstellung in der Galerie Doktorhaus, Oberdiessbach, wird am Sonntag, 20.9., um 14.30 Uhr eröffnet und dauert bis 18.10. Geöffnet: Fr 14–21, Sa/So 14–18 Uhr.>

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