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«Die ganze Welt spiegeln»

Fulminant verspricht er zu werden, der Auftakt von Interlaken Classics. Dirigent Ingo Metzmacher präsentiert Mahlers «Dritte», ein monumentales Werk, das wegen seiner Aufwendigkeit im Konzertsaal nur selten zu hören ist.

Seiner damaligen Braut teilte Gustav Mahler in einem Brief mit, er arbeite an einer Sinfonie, die «die ganze Welt spiegeln» solle. Während ausgedehnten Spaziergängen am oberösterreichischen Attersee hatte er sich in den Sommern 1895 und 96 dazu inspirieren lassen. Für die Ausarbeitung zog er sich in sein «Komponierhäusl» zurück, wo er, wie er es formulierte, «die Ernte in die Scheune brachte». Mit der dritten Sinfonie komponierte Mahler ein Werk von knapp hundert Minuten. Es ist eine der längsten Sinfonien, die je geschrieben wurden. Beethovens 9. Sinfonie dauert ca. 70 Minuten, Bruckners «Achte» «nur» rund 84 Minuten. «Ein Sommermittagstraum» betitelte Mahler das sechssätzige Werk, in dem neben dem grossen Orchester auch ein Chor und eine Vokalsolistin zum Einsatz kommen. Die bekannten Titel der Sätze, die den Hörer wie Wegweiser durch die unterschiedlichen Stimmungen führen, sind mit Vorsicht zu geniessen. Mahler hat sie noch vor der offiziellen Veröffentlichung zurückgezogen: «Pan erwacht», heisst es da. Und: «Der Sommer marschiert ein»; «Was mir die Blumen auf der Wiese erzählen»; «Was mir der Mensch erzählt»; «Was mir die Engel erzählen»; «Was mir die Liebe erzählt». Die Uraufführung des vollständigen Werks in Krefeld im Jahr 1902 unter Mahlers Leitung wurde zum Triumph – er dürfte sich morgen in Interlaken wiederholen.Fünf Schweizer spielen mit Exquisit ist die Besetzung, mit der Mahlers «Dritte» morgen die 49. Ausgabe von Interlaken Classicseröffnet: Das 130-köpfige Gustav Mahler Jugendorchester, das die Aufgabe übernimmt, gilt als bedeutendste Talentschmiede für europäische Orchestermusiker. 1986 wurde es von Claudio Abbado gegründet, es vereint junge Musikerinnen und Musiker aus ganz Europa. Auch fünf Schweizer (drei Geigerinnen, ein Cellist und ein Hornist), spielen in dem internationalen Klangkörper mit. Die Auslese für die Aufnahme ist streng. Bei den jährlich stattfindenden Probespielen in über 25 europäischen Städten trifft eine von Claudio Abbado autorisierte Jury eine Auswahl aus jeweils bis zu 1500 Bewerbern. Prominente Orchestermusiker (z. B. der Wiener und Berliner Philharmoniker) sind Mitglieder dieser Jury.Bei Interlaken Classics konzentriert man sich seit 1999 auf die Präsentation von Nachwuchsformationen und -interpreten. Neben dem Gustav Mahler Jugendorchester (2. und 4. 4., 20 Uhr) werden im Casino-Kursaal Interlaken u. a. auch das 1969 vom Deutschen Musikrat gegründete Bundesjugendorchester (11. 4., 20 Uhr) und die International Menuhin Music Academy (13. 4., 10.30 Uhr) zu hören sein. Mit Ingo Metzmacher kommt einer der innovativsten europäischen Dirigenten ins Berner Oberland. Der 52-Jährige, der 2003 als «artiste étoile» beim Lucerne Festival eingeladen war, ist derzeit noch Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin. Letzte Woche überraschte er mit der Nachricht, dass er seinen Vertrag in Berlin nicht über das Jahr 2010 hinaus verlängern werde. Gerüchten zufolge aus finanziellen Gründen. Metzmacher wollte zu seinem Entscheid keinen Kommentar abgeben. Im Moment gilt seine Aufmerksamkeit ganz den Proben in Interlaken. Denn nach Mahlers 3. Sinfonie bietet auch das 2. Sinfoniekonzert mit dem GMJO Anspruchsvolles: Auf dem Programm stehen Schostakowitschs 10. Sinfonie und «Nobilissima Visione» von Paul Hindemith. Sowie das Trompetenkonzert «Miramondo Multiplo» von Olga Neuwirth, ein Werk, das die Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Pierre Boulez 2006 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt haben. Die kleine Sensation: Der bemerkenswerte Solist von damals, Hakan Hardenberger, ist auch der Solist in Interlaken. Interlaken Classics 2. bis 13. April. www.interlaken-classics.ch

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