Alleluja der Weltreligionen

Kammerorchester

Musikalische Huldigung gestern und heute: Mit Werken des Jubilaren Joseph Haydn und des zeitgenössischen Komponisten Arthur Furer entführte das Konzert im Rahmen des Musikfestivals Bern in musikalische Höhen.

Wie soll das klingen, wenn die Weltreligionen sich für einen Lobgesang zusammenstellen und in ökumenischem Schulterschluss gemeinsam zu einer Gottheit jubilieren würden? Mit seinem 1994 uraufgeführten Vokalwerk «Lob der Gottheit» beantwortet Arhur Furer genau diese Frage. Der Berner Komponist (siehe Porträt im «Bund» vom 28. März) vereint darin Stilmittel und Zitate westlicher und östlicher Musikkulturen, weshalb der Komposition eine umfangreiche Recherche vorausgegangen ist. Ein dichtes Werk ist dabei entstanden, dessen Klangbild an ein farbenfrohes Potpourri erinnert. Musikalischer WeltenbummlerEin Gongschlag eröffnet die Komposition, die im Rahmen des Musikfestivals Bern aufgeführt wird. Damit entführt sie sogleich in asiatische Hörwelten, ein Effekt, der sodann durch Quartenklänge des Xylofons verstärkt wird. Doch das Gefühl, in fremde Klangsphären wegzudriften, stellt sich beim Hören nur kurzfristig ein. Über weite Strecken agiert Furer als musikalischer Weltenbummler. Er lässt in «Lob der Gottheit» das traditionelle westliche Orchester von fernen Ländern und Kulturen berichten, der Blickwinkel bleibt jedoch europäisch. Furer verwendet hauptsächlich westliche Stilmittel und Farblichkeiten. Er betreibt Lautmalerei, indem er den Inhalt des gleichnamigen Gedichtes von Karl Wilhelm Ramler mit musikalischen Mitteln nachdoppelt.Anhand dieser dezenten Verfremdung schafft Furer indessen wunderlich und wunderbar klingende Passagen. Ihre Leuchtkraft in der Französischen Kirche verdanken sie einer gehaltvollen und beherzten Interpretation durch die Aufführenden. Das Berner Kammerorchester beeindruckt einmal mit den Klangflächen eines exotischen Impressionismus, ein andermal tun es die ruhigen und kraftvollen Weisen des Baritons Marian Krejcik. Die beiden Solistinnen überzeugen im Kanon. Das helle, sanfte Timbre der Sopranistin Ines Schaffer mischt sich dabei sehr schön mit dem dunklen Mezzosopran von Astrid Pfarrer.Himmlischer Haydn Christoph Marti und Bruno Späti haben den Chor der Ehemaligen des Gymnasiums Neufeld gut vorbereitet. Dies zeigt sich nicht nur in Furers von Chromatik durchsetztem, aufführungstechnisch heiklem Werk. Auch in Joseph Haydns Motetten «De venerabili sacramento» interpretieren die Sängerinnen und Sänger bestimmt und solide in der Klanglichkeit. Sie gestalten Haydns Werk schwungvoll und anmutig in der Haltung. Zwei Sinfonien von Joseph Haydn bilden eine Klammer um das Programm und verdeutlichen beide auf eigene Weise, dass Haydns Gottesverehrung auch auf rein musikalische Weise passiert und keiner Worte bedarf. Die frühe Sinfonie Nr. 30 zitiert ein gregorianisches Alleluja. Dabei scheint das Berner Kammerorchester noch nicht richtig in Gang zu kommen. Laurent Gendre wählt das Tempo im Allegro rasant, auf Kosten der Präzision, das Andante hingegen wirkt träge. Nach der Pause ist der nicht überzeugende Einstieg allerdings vergessen, das Berner Kammerorchester läuft zu Hochform auf. In der Sinfonie «Le Miracle» überzeugen der erste und letzte Satz in waghalsigem Tempo. Das Menuett erklingt gravitätisch und sehr kultiviert. So feiert das Berner Kammerorchester den Jubilaren Joseph Haydn in der fast voll besetzten Französischen Kirche.

Der Bund

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