Leise rattert die Kunst

Auszeichnung

Der Hauptpreis des Aeschlimann-Corti-Stipendiums, des wichtigsten privaten Kunststipendiums des Kantons Bern geht 2009 an den Künstler Zimoun. Seine verspielte Klanginstallation ist zusammen mit Werken der vier Förderpreis-Gewinner und weiterer Kunstschaffender für einen Monat ausgestellt.

Es rattert, ruckelt und summt auf dem weiss gestrichenen Ikea-Regal im Kunstmuseum Bern. Während Kügelchen aus Alufolie in einem umgekehrten Lautsprecher brodeln, schüttelt sich in einem andern Tablar ein Grüppchen Reagenzgläser rhythmisch im Takt, ticken, schnurren und winken kleine Apparate vor sich hin, als wären sie Uhrwerke oder die Innereien Glück bringender Katzen. Nicht etwa von einer grobmotorigen Tinguely-Skulptur ist hier die Rede, sondern vom feinmechanischen Siegerprojekt des 32-jährigen Berner Installations- und Sound-Künstlers Simon Hügli alias Zimoun. Dieser kann heute Abend den mit 30000 Franken dotierten Hauptpreis des Louise-Aeschlimann-und-Margareta-Corti-Stipendiums (AC-Stipendium) entgegennehmen. Qualität, aber wenig NeuesDie prämierte Arbeit trägt zwar keinen Titel, aber es handelt sich um ein Gestell aus dem Atelier des Künstlers, das sich als Auslegeordnung seiner Versuchsobjekte verstehen lässt. Was der Progr-Künstler, der seine Arbeiten in der Regel zusammen mit Pe Lang entwickelt, bisher vor allem in setzkastenartigen Rahmen präsentierte, zeigt er hier erstmals in grösserem Format. Entstanden ist eine Installation, die in ihrer klanglichen und optischen Vielfalt als Ganzes funktioniert, aber ebenso dazu verlockt, den Einzelteilen und ihrem Geheimnis auf die Spur zu kommen. «Das Stipendium gibt mir den Boden, ein Jahr lang arbeiten zu können», sagt der Autodidakt Zimoun, der bereits 2005 mit einem Förderpreis des AC-Stipendiums ausgezeichnet wurde und dessen Arbeiten inzwischen öfter im Ausland als in der Schweiz zu sehen sind. Nebst Zimoun hat die Jury drei Künstler und ein Künstlerinnen-Duo mit einem Förderpreis in der Höhe von je 10000 Franken bedacht. Es sind dies Manuel Burgener (31), Alain Jenzer (35), Francisco Sierra (32) und Corina Steiner (31)/Elke Lehrenkrauss (30). Auf sie fiel die Wahl aus 79 Bewerbungen und nach einer Selektion von zwanzig Kunstschaffenden, die zur Eingabe ihrer, nun ebenfalls ausgestellten, Werke aufgefordert wurden. Vergeben wird das attraktive, weil mit insgesamt 70000 Franken höchstdotierte private Kunststipendium des Kantons Bern seit 1942 von der Bernischen Kunstgesellschaft (BKG) zur Förderung junger Künstler (bis 40). Die jährlich wechselnde Jury setzte sich diesmal zusammen aus Direktor Matthias Frehner als Vertreter des Gastmuseums, Susanne Kulli (Präsidentin des AC-Stipendiums), Vanessa Achermann ( Mitglied der BKG) sowie Istvan Balogh (Künstler) und Andreas Fiedler (freier Kurator).Fliegende TeetassenDie Wahl der Jury erweist sich beim Rundgang durch die von Claudine Metzger vom Kunstmuseum Bern stimmig eingerichtete Ausstellung als nachvollziehbar und überzeugend. Bei aller Qualität findet sich jedoch wenig Überraschendes, waren doch viele der Kunstschaffenden bereits mit ähnlichen Werken an der einen oder anderen Weihnachtsausstellung oder Swiss-Art-Award-Präsentation vertreten. Manuel Burgener etwa zeigt eine Variante seiner durchaus eindrücklichen, eigens für den jeweiligen Ausstellungsraum entworfenen Schwarzweiss-Wandbilder, die zum Nachdenken über die Wahrnehmung verschiedener Bild- und Raumebenen anregen. «Für das Insistieren auf diesen Fragestellungen», so die Jury, erhält Burgener denn auch den Förderpreis. Ebenfalls kein Unbekannter ist Francisco Sierra, der mit seinem grossformatigen Gemälde «The Universe» – ein getöpfertes Teeservice, das wie ein Ufo in der Luft schwebt – allerdings einen sensationellen Schritt in eine neue Richtung getan hat. Gelungen ist ihm die Kombination zweier von ihm bisher separat gehandhabter Genres, dem surrealistischen Klein- und dem fotorealistischen Grossformat. Nicht minder überzeugend ist die dreiteilige Arbeit von Alain Jenzer, die um das Thema Tod kreist. Zu einem Zylinder gerollte Todesanzeigen aus dem «Bund» neben einer Auslegeordnung von Beileids-Einzahlungsscheinen und einem Bild mit der Aufschrift «cu», was «see you» auf SMS-Deutsch meint, fügen sich zu einer ebenso hintergründigen wie poetischen Installation.Vielfalt mit PotenzialDer vierte Förderpreis schliesslich geht an Corina Steiner (Bern) und Elke Lehrenkrauss (Köln) für ihre interessante Serie von Fotografien, auf denen Einzelpersonen und Paare vor schwarzem Grund in Posen inszeniert sind, die vage etwa an Bilder von Munch oder Schiele erinnern. Wollte man noch die eine oder andere Arbeit der fünfzehn übrigen Kunstschaffenden hervorheben, so fällt die Wahl auf Stefan Guggisberg und sein düster-samtiges Gemälde «Mäntel», auf Egle Vidos Licht-Fotografien, Patricia Schneiders Aquatinten oder Samuel Grafs Spiegelobjekt «Kraftwerk». Solide, vielfältige Berner Kost mit Potenzial ist es allemal, welche die Ausstellung auch dieses Jahr bietet.

Der Bund

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