Grosser Lehrmeister

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Dolf Schnebli Wenige Monate vor seinem 81. Geburtstag ist der Schweizer Architekt Dolf Schnebli nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. Dies teilte seine Familie am Donnerstag mit. Schnebli beeinflusste als Architekt, vor allem aber auch als Lehrer an der ETH Zürich eine ganze Generation von Architekten. 25 Jahre lang – von 1969 bis zu seiner Emeritierung 1994 – pflegte er seinen Lehrstuhl und leistete damit einen entscheidenden Beitrag zur zeitgenössischen Schweizer Architektur. Ehemalige Studenten wie Jacques Herzog und Pierre de Meuron verweisen ausdrücklich auf die «Schule des Sehens», die sie bei ihrem Lehrmeister erfahren durften. Mit seiner Konstanz und seiner überragenden Wirkung auf das Architekturgeschehen der 1960er- bis 1990er-Jahre erinnert Schnebli an andere grosse Lehrer wie Karl Moser (1860– 1936), der von 1915 bis 1928 an der ETH unterrichtete, und dessen unmittelbaren Nachfolger Otto Rudolf Salvisberg (1882–1940). Beide gelten als Wegbereiter der Moderne in der Schweiz.

Als Architekt blickte Schnebli zuletzt auf fünfzig Jahre Praxis zurück. Gleich zu Beginn seiner Laufbahn erregte er 1960 mit dem Gymnasium in Locarno internationales Aufsehen. In seiner Tessiner Wahlheimat war er massgeblich an der Entwicklung einer neuen lokalen Architektursprache beteiligt, die dann als «Tendenza» weltweit berühmt wurde. Später baute Schnebli auch in der Deutschschweiz und im Ausland, vor allem in den USA. Erst kürzlich erschien sein letztes Buch, in dem er seine Reise auf dem Landweg von Venedig nach Indien aus dem Jahre 1956 mit Hunderten von Fotos dokumentiert. Im Vorwort dazu schreibt Jacques Herzog: «Viele Architekten, die heute irgendwo in der Schweiz praktizieren, profitierten von ihm, darunter viele mit bekannten Namen – welcher andere Lehrer hat je so viel erreicht?» (csh)> (Der Bund)

Erstellt: 18.09.2009, 01:15 Uhr

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