Glaube, Mutterliebe, Musik

Die Zürcher Kantorei zu Predigern und die Berner Kantorei gestalten drei Zugänge zum jüdischen König Salomo als Herrscher, Richter und Diplomat: monumental, differenziert und festlich.

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Ist Händels «Solomon» jetzt eher ein Oratorium oder eine Oper? Wenngleich Stoff und der bisweilen ausladende Erzählduktus das Werk zunächst einmal in die Nähe der Sakralmusik rücken, bieten die Aktstruktur und die zum Teil wie Opernszenen wirkenden Arien und Rezitative mehr Spielraum, als man zuerst hätte annehmen mögen.

Die Zürcher Kantorei zu Predigern und die Berner Kantorei unter der Leitung ihres Chefdirigenten Johannes Günther entschieden sich für eine Lösung, welche den Namen des Werks redlich verdient: eine salomonische. Der hervorragend disponierte Chor sorgte mit reicher, homogener Klanglichkeit für einen stimmigen sakralen Rahmen. Spannungsvolle Kantilenen, fein austarierte Balance zwischen den Registern und Transparenz liessen die hohen Qualitäten des Klangkörpers im besten Licht erscheinen.

Phrasierungen und Schönklang

Für mehr dramatische Stimmung sorgten die Barockspezialisten des auf historischen Instrumenten spielenden Ensembles la Fontaine. Die erdigen, sorgfältig koordinierten Klangfarben und die schlanken Phrasierungen belebten den zwischenzeitlich etwas allzu behäbig sich fortbewegenden Handlungsfluss. Wie die Vokalisten hatten auch die technisch soliden Instrumentalisten den Fokus auf schönes, organisches Spiel gelegt.

Der feierlichen Grundstimmung des ersten Akts, in dem der Tempel eingeweiht und der Herrscher gepriesen wird, mag dies ja noch entsprechen. Im zweiten Akt soll jedoch aufgrund eines provokativ zynisch formulierten Urteils ein Kind in Stücke gerissen werden. Der archaischen Drastik dieses Konflikts und der abgrundtiefen Boshaftigkeit kommt man mit Schönklang beileibe nicht bei. Schade! Auch die reizvolle Idee der Musikdiplomatie zwischen König Salomo und Königin Saba, welche eine Selbstinszenierung der Musik im Konzert und dadurch eine Selbstreflexion des Konzerts ermöglicht hätte, fand in diesem Konzept keine publikumswirksame Entsprechung.

Weiter exponierte sich das aus ausgewiesenen Barockspezialisten und jungen Schweizer Nachwuchskräften bestehende Vokalsolistenquintett. Die Sopranistin Yeree Suh und die Mezzosopranistin Ruth Sandhoff, welche auch eine magistrale Königin von Saba gab, standen sich als rivalisierende Mütter gegenüber. Während die überhöhte Mutterliebe der Mezzosopranistin ergreifend wirkte, erschien der lodernde Hass der Sopranistin merkwürdig aufgesetzt. Diesem Crash wäre etwas Opernregie nicht schlecht angestanden.

Entdeckung des Abends

Nichtsdestotrotz überzeugten beide sowohl sängerisch wie auch interpretatorisch in hohem Masse. Bedauernswert bloss, dass sie durch die eher flache Anlage der Gesamtinterpretation, welche haufenweise Gestaltungsmöglichkeiten ungenutzt verstreichen liess, ihr Potenzial nicht ausspielen konnten. Sängerisch überzeugte auch der Altus Alex Potter. Allerdings schaffte er es nur bedingt, uns die heute eher fremdartig anmutende Vorstellung eines hoch singenden männlichen Helden nahezubringen. Seine anschwellenden Kantilenen und diversen gestalterischen Details wurden dieser Rolle nur bedingt gerecht. Der Schweizer Tenor Simon Witzig lieh dem Hohepriester Zadok seine höhen- und koloraturensichere Stimme.

Die eigentliche Entdeckung des Abends war aber der Bariton Manuel Walser. Mit welch natürlichem Charisma der junge Schweizer Schüler des deutschen Starbaritons Thomas Quasthoff den Leviten sang, das allein war den Besuch des rund zweieinhalbstündigen Konzerts im Berner Münster wert.

> (Der Bund)

Erstellt: 03.09.2009, 01:16 Uhr

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