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Vom Charme moderner Patina

Viel Stoff zum Schauen und Schmökern bieten die individuell gestalteten Kunstmonografien von Istvan Balogh, Béatrice Gysin, Reto Leibundgut, Jean-René Moeschler und Lang/Baumann. Realisiert wurden sie dank Fördergeldern des Kantons Bern.

Ob man lieber in den futuristisch gerundeten Raumszenarien von Lang/Baumann schwelgt oder einen langen Winterabend über den rätselhaften Fotoarbeiten von Istvan Balogh verbringt, das ist eine Frage der persönlichen Vorlieben. Die fünf vom Kanton Bern herausgegebenen Kunstmonografien 2008 sind alle sehr individuell und stimmig gestaltet. Und so unterschiedlich sie sind, betrachtens- und empfehlenswert sind sie allesamt.Im Herbst 2007 hat die kantonale Kommission für bildende Kunst, Fotografie und Architektur fünf Kunstmonografien Beiträge von je 25 000 Franken zugesprochen. Beworben hatten sich 52 Künstler, ausgewählt hat die Kommission Istvan Balogh, Béatrice Gysin, Reto Leibundgut, Jean-René Moeschler und das Duo Sabina Lang/Daniel Baumann. Präsentiert werden die Bücher im Rahmen der Weihnachtsausstellungen im Centre PasquArt in Biel, flankiert von aktuellen Arbeiten der Künstler.Zu den Usanzen im Umgang mit den Kunstmonografien des Kantons Bern gehört auch, dass die begünstigten Künstler völlig frei sind in der Wahl des Verlags, der Autoren, der gestalterischen Mittel. Ideenreichtum und Gestaltungswille der Kunstschaffenden können sich völlig frei entfalten, das Ergebnis ist eine spannende Mixtur recht unterschiedlicher Publikationen. Gestalterische Experimente wagen vor allem die jüngeren Kunstschaffenden, die älteren orientieren sich eher am traditionellen grossformatigen Bildband.Gesticktes und FloralesDer 57-jährige Jean-René Moeschler aus Tavannes, der in der Romandie weit bekannter ist als in der Deutschschweiz, legt mit «œuvres récentes» einen Softcover-Band vor. Auf über 140 Seiten zeigt sich ein Werk, in dem strenge Farbkuben und verspielte Gegenständlichkeit sich mischen und dessen florale Ornamente an Matisse erinnern. Ergänzt wird der bei Biro éditeur in Paris verlegte Band durch Texte in französischer Sprache, hervorhebenswert ist ein Gespräch des Künstlers über Kunst und Politik mit dem Autor Daniel de Roulet, der 2006 mit dem Bekenntnis Furore machte, er habe 1975 das Axel-Springer-Chalet in Brand gesetzt.Ebenfall als Softcover gebunden ist die Monografie der in Biel lebenden Béatrice Gysin, die bei Nimbus in Wädenswil verlegt wurde. Die dezente Gestaltung des Bandes entspricht den zarten, leisen Zeichnungen der 61-Jährigen, die mit Bleistift auf Papier, aber auch mit feinen Silberfäden auf Karton oder Stoff entstehen und Meereswellen-Muster, Sehnsuchts-Landkarten oder auch die ganz profanen Dinge des Lebens zeigen, wie Töpfe und Staubsauger.Zurück in die ZukunftDie jüngeren Künstler haben kleinere Formate gewählt. Istvan Balogh zeigt eine Auswahl seiner inszenierten Fotografien, die an spannungsreiche Film-Stills erinnern, im Band «Thresholds and Gaps» (Stämpfli Bern). Das Büchlein des 46-Jährigen fasst gut 60 Seiten in einen klassischen Hardcover-Einband mit Prägedruck. Stimmig durchgestaltet ist die Publikation «Fügungen und Kaskaden» (Wolfsberg, Birmensdorf), die Reto Leibundguts Werk von 1997 bis 2008 dokumentiert. Das Buch erinnert mit künstlicher Patina an abgegriffene Schmöker vom Antiquar. Sogar eine vermeintliche Bibliothekssignatur ist auf den Rücken gedruckt. Der handliche Band verweist so darauf, dass der 42-Jährige seine Intarsien-Bilder und Teppich-Mosaiken vor allem mit Material aus Brockenstuben erstellt.Zurück in die Zukunft greifen Sabina Lang (36) und Daniel Baumann (41) mit aufblasbaren Objekten und Raumgestaltungen im futuristischen Stil der 1970er-Jahre. Das «Beautiful Book» (JRP/Ringier Zürich) des Künstlerpaars setzt ebenfalls ganz auf eine retro-moderne Ästhetik mit gerundeten Ecken, brillanten Farbfotos auf Hochglanzpapier und ausschliesslich englischsprachigen Texten.Buchpräsentation heute Samstag, 17 Uhr, im Centre PasquArt in Biel, >

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