Zum Gedenken an Prof. Hugo Hadwiger

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Heute jährt sich der Geburtstag Hugo Hadwigers (1908–1981) zum hundertsten Mal. Seiner aussergewöhnlichen Begabung folgend, studierte der in Bern aufgewachsene Hadwiger an der Universität Bern Mathematik. Seine Dissertation hatte das faszinierende Phänomen des Verhaltens unendlicher Reihen bei Umordnung ihrer Glieder zum Gegenstand. 1936 habilitierte er sich mit einer Schrift über eine von ihm erfundene Methode zur kontinuierlichen Integration. Lagen die beiden Arbeiten im Gebiet der Analysis, so wurde sein Aufenthalt vom Jahre 1935 beim grossen Geometer Wilhelm Blaschke in Hamburg zum Grundstein für seine Laufbahn und seinen späteren Ruhm als Geometer.

Unmittelbar nach seiner Habilitation wurde Privatdozent Hadwiger mit einem umfangreichen Laufauftrag betraut. 1937, knapp 29-jährig, wurde er zum Professor für höhere Analysis an der Universität Bern gewählt. Es ist bekannt, dass diese Wahl in Fachkreisen hohe Anerkennung fand, dass sie aber auch in weiten Teilen der Berner Bevölkerung Bewunderung auslöste.

Volle vierzig Jahre, bis zu seiner im Jahre 1977 erfolgten Emeritierung, blieb Hadwiger der Universität Bern treu. Einen ehrenvollen Ruf an eine andere Universität lehnte er ab; seine damaligen Studierenden drückten ihm dafür ihre Dankbarkeit aus. In diese vier Jahrzehnte fällt auch sein intensives Wirken zum Wohl der Öffentlichkeit durch seine Mitgliedschaft in zahlreichen mit der Universität verbundenen Kommissionen. Während zweier getrennter Amtsperioden stand er der Philosophisch-naturwissenschaftlichen Fakultät als Dekan vor. Viele Jahre amtete er als Direktor des Mathematischen Instituts der Universität Bern. Von seinen Mitarbeitern verlangte er Sorgfalt und Gründlichkeit in der Arbeit; Halbheiten wies er zurück. Andererseits war er ein sehr gütiger und für das Wohl seiner Mitarbeiter besorgter Vorgesetzter. Die Arbeitsatmosphäre am Institut unter Professor Hadwigers Direktorium war in jeder Hinsicht erfreulich, fruchtbar und anregend.

Hadwiger hinterliess ein in der internationalen Fachwelt hoch angesehenes, weit gespanntes Werk. Es ist dokumentiert in 251 Publikationen. Gewisse Gruppen von Publikationen beinhalten zusammen ganze mathematische Theorien, andere sind der Lösung eines Einzelproblems gewidmet.

Allen, die Hugo Hadwiger als Universitätslehrer gekannt haben, ist die Klarheit und Schönheit seiner Vortragskunst in lebendiger Erinnerung. Das Wandtafelbild nach jeder Vorlesungsstunde war ein eigentliches Kunstwerk. Alle seine Äusserungen zeugten vom unablässigen Streben nach Ausgewogenheit und Harmonie. Die Liebe zum mathematischen Gegenstand war bei ihm jederzeit spürbar und hat sich begeisternd auf seine Hörer und Gesprächspartner ausgewirkt. Seine Einstellung kann nicht besser als mit seinen eigenen Worten zusammengefasst werden: «Mathematik ist die Freude und das Wohlgefallen des Menschen an den Möglichkeiten des reinen Geistes.»

Jürg Rätz

Prof. em. für Mathematik

Universität Bern



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Erstellt: 23.12.2008, 01:15 Uhr

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