Studenten fordern Rektor heraus

Rund 300 Studierende marschierten gestern in einem Protestzug von der Unitobler zum Hauptgebäude der Universität Bern. Dort lieferten sie sich einen verbalen Schlagabtausch mit Uni-Rektor Urs Würgler, der zu den Anschuldigungen Stellung nahm.

Auf dem Transparent beklagen die Studis: «Keine Professorinnen! Kein Mitspracherecht! Keine Soziologie? Uns reichts!» (Valérie Chételat)

Auf dem Transparent beklagen die Studis: «Keine Professorinnen! Kein Mitspracherecht! Keine Soziologie? Uns reichts!» (Valérie Chételat)

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«Das Aus für Bildung?» war auf einem der Transparente zu lesen, welche die protestierenden Studierenden mit sich führten. «Bildung – nicht Profit» forderten sie auf einem anderen. Ihre Gemüter erregt hatte die Ankündigung der Universitätsleitung, die Fächer Soziologie, Politologie und Medienwissenschaften ab kommendem Herbst in einem gemeinsamen Bachelor-Studiengang Sozialwissenschaften zusammenzuführen.

Mundschutz gegen «Sowiflu»

Das Departement Sozialwissenschaften (Sowi) der Universität Bern sei von der «Grippe des Neoliberalismus erfasst worden», erklärte Marco Haller, Vorstandsvorsitzender des Verbandes Schweizer Studierendenschaften (VSS). Deshalb trügen die Teilnehmer des Protestmarsches einen symbolischen Mundschutz gegen diese «Sowiflu».

Damit sollte die Universitätsleitung – namentlich Rektor Urs Würgler – dazu aufgefordert werden, wichtige Entscheide nicht allein auf dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit zu basieren. Viele Studierende hegten die Befürchtung, die Soziologie würde etwa gar noch gänzlich aus dem Studienprogramm der Universität Bern verschwinden, nur weil sie sich finanziell nicht rechnete.

Soziologie: «Nicht abgeschafft»

Würgler stand den Studierenden vor dem Haupteingang des Universitätsgebäudes Red und Antwort. «Ich habe niemals gesagt, die Soziologie werde als Studienfach an der Universität Bern abgeschafft», versicherte er der versammelten Menge. Es sei jedoch so, dass bereits eine im Jahr 2004 durchgeführte externe Evaluation der Sozialwissenschaften ergeben habe, dass die vorhandenen Mittel nicht ausreichten, um die Bereiche Soziologie, Politologie und Medienwissenschaften selbstständig weiterzuführen.

Nach der Aufhebung des bisherigen Angebots im Bereich Medienwissenschaften sei der Entscheid für den gemeinsamen Studiengang gefallen, führte der Rektor weiter aus. 2007 habe die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät den Auftrag erhalten, den Studiengang Sozialwissenschaften einzuführen. 2008 habe der Regierungsrat des Kantons Bern das Vorgehen gutgeheissen.

Die Umsetzung dieses Auftrags sei aber durch Widerstand aus der Soziologie systematisch verzögert worden. Von der Einführung des gemeinsamen Studiengangs verspreche er sich eine Bündelung der Kapazitäten in den Sozialwissenschaften. Dadurch solle ein «erfolgreiches Studium» in den Fächern Soziologie und Politologie an der Universität Bern langfristig gesichert bleiben, so Würgler.

Würgler empfängt Studierende

Im Anschluss an die öffentliche Kundgebung empfing Würgler eine Delegation der Studierenden in seinem Büro. Es sei ein «interessantes Gespräch» gewesen, liess er danach verlauten. Am Entscheid betreffend den Studiengang Sozialwissenschaften werde jedoch nicht mehr gerüttelt, dieser sei bereits ganz klar beschlossene Sache. (Der Bund)

Erstellt: 14.05.2009, 07:50 Uhr

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