Mit 26 Jahren Gemeindepräsident

Zu jung und zu unverheiratet, um Gemeindepräsident zu werden: Stefan Krattiger hatte mit einigen Vorurteilen zu kämpfen. Die Erfahrungen, die er als Gemeinderat von Aegerten gesammelt hatte, und seine umfangreiche Fangemeinde auf Facebook halfen ihm dabei.

Junger Wahlsieger: Stefan Krattiger vor dem Gemeindehaus. (Adrian Moser)

Junger Wahlsieger: Stefan Krattiger vor dem Gemeindehaus. (Adrian Moser)

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Die Vorteile, in einer kleinen Gemeinde wie Aegerten stimmberechtigt und wählbar zu sein, liegen auf der Hand: Zum Beispiel sind die Stimmen an einem Wahlsonntag schnell ausgezählt. Und so wird Stefan Krattiger, die Hoffnung der Sozialdemokratischen Partei Aegerten auf den Sitz des Gemeindepräsidenten, schon eine halbe Stunde nach Urnenschluss vom Nervenflattern erlöst: 60,4 Prozent der Aegerterinnen und Aegerter haben ihm gegenüber Ueli Kocher, dem Kandidaten der bürgerlichen Ortsvereinigung Aegerten (ov), Landwirt und Präsident der lokalen Burgergemeinde, den Vorzug gegeben. Damit wird der amtierende Gemeindepräsident Fredy Siegenthaler (sp) am ersten Januar nächsten Jahres vom vermutlich jüngsten Amtsinhaber der Region (siehe Kasten) abgelöst.

Der neue Gemeindepräsident, der sein Studium der Politikwissenschaften an der Universität Bern vergangenes Jahr abgeschlossen hat, ist erleichtert. «Es wurde viel gemunkelt im Dorf im Vorfeld der Wahlen. Das Resultat hätte auch knapper sein können», sagt Krattiger. Beinahe als Hemmschuh erwiesen hätte sich nämlich sein Alter.

Gradlinig nach oben

In die Politik sei er «reingerutscht», sagt der gebürtige Aegerter. Seine Eltern seien «eher unpolitisch». 17-jährig gestaltete er das Ferienpassprogramm für die Jugendkommission, in der seine Mutter Mitglied war. Bald nachdem er selbst Einsitz genommen hatte, übernahm er das Präsidium. Mit 20 kandidierte er erstmals für den Gemeinderat, «weil die SP noch Leute brauchte», wie er sagt. Fortan betreute er das Ressort Versorgung und Kultur. Vor drei Jahren wurde er im Amt bestätigt – «mit dem besten Resultat», wie er stolz betont.

«Ich weiss, dass ich meine Arbeit im Gemeinderat in den letzten sechs Jahren gut gemacht habe», sagt Krattiger. Als er von der Sektion an der Generalversammlung einstimmig als Nachfolger für den Präsidiumsposten nominiert wurde, hätten ihn die anderen Gemeinderäte von Anfang an unterstützt. «Die Stimmen jener, die mit mir in der Gemeinde gearbeitet haben, sind wohl der beste Gradmesser für meine Qualifikation», ist er überzeugt.

Lebens- vs. Berufserfahrung

Dennoch fand am Sonntag ein harter Wahlkampf sein Ende. «Es war zum Teil echt nervenaufreibend», sagt Krattiger rückblickend. Den Gegenkandidaten stellte die OV, neben der SP die einzige Partei in der 1700-Seelen-Gemeinde. Dass der 53-jährige Kocher zwar nicht auf politische, dafür aber auf Lebenserfahrung zurückgreifen könne, war im Wahlkampf stetes Thema. «An den Stammtischen im Dorf wurden mir zwei Mankos angelastet», sagt Krattiger: «Erstens sei ich zu jung für das Gemeindepräsidium – und zweitens ledig», sagt er schmunzelnd. «Zum Glück hat sich gezeigt, dass Alter und Zivilstand allein keinen Gemeindepräsidenten machen.» Dass er nun mit über 60 Prozent klar gewählt wurde, hat er wohl nicht zuletzt einem modernen Wahlkampf zu verdanken. Über Facebook kontaktierte er junge Gemeindemitglieder direkt, erklärte ihnen neben seinen Zielen für die Gemeinde auch gleich den Aufbau eines Wahlzettels. «Gut möglich, dass ich Stimmen von Leuten erhalten habe, die vorher noch nie gewählt haben», sagt Krattiger. Die ungewohnt hohe Wahlbeteiligung von 62,1 Prozent scheint diese Annahme zu stützen.

Ob er nun munter weiter Ämter übernimmt, bis er im Gross- oder Nationalrat angelangt ist, weiss der Jungpolitiker noch nicht. «An der Gemeindepolitik gefällt mir, dass sie so direkt ist», sagt er. «Wenn ich etwas verbocke, dann kriege ich das spätestens auf dem Nachhauseweg zu hören.» (Der Bund)

Erstellt: 29.09.2009, 08:16 Uhr

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