«Aburteilen! Drei Tage weg!»

Verwaltungsratspräsident Andreas Blank des EHC Biel fordert mehr repressive Mittel im Umgang mit Krawallmachern: «Hooligans, die beim Randalieren ertappt werden, sollten sofort hinter Gitter.»

Fans des EHC Biel hinter einem Sicherheitsnetz: Wer ist passionierter Fan, wer gewaltbereiter Hooligan? (Keystone)

Fans des EHC Biel hinter einem Sicherheitsnetz: Wer ist passionierter Fan, wer gewaltbereiter Hooligan? (Keystone)

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«Bund»: Herr Blank, hat der EHC Biel ein Hooligan-Problem?

Andreas Blank: Nicht mehr als andere Klubs.

Wie gross schätzen Sie den Anteil gewaltbereiter Fans an den Bieler Zuschauern ein?

Letzte Saison hatten wir im Schnitt etwa 5000 Zuschauer. Wie gross die Gruppe der Krawallmacher ist, ist schwer zu sagen. Ich würde sagen, es sind rund 20 bis 50 Personen.

Hat sich das Problem seit dem Wiederaufstieg in der letzten Saison verschärft?

Ja, und zwar, weil wir nun vermehrt gegen Teams spielen, die auch eine Szene haben, die Krawall macht. In der Nationalliga B hatten wir diese Probleme erst gegen Ende der Saison, vor allem bei den Aufstiegsspielen. Am schlimmsten war es gegen Fribourg.

Gab es schon vor dem Abstieg 1995 Probleme mit Ausschreitungen?

Damals war das noch nicht wirklich ein Problem. Schlägereien gab es zwar bereits, als ich als Junge zu den Spielen ging. Aber Steine werfen und Messer und anderes mehr – das ist neu.

Welche sind derzeit die konfliktreichsten Partien des EHC Biel?

Im Moment sind das sicher die Spiele gegen Bern, schon nur von der Menge der Besucher her. Bern verfügt über eine Szene von Krawallbrüdern, wobei diese nicht nur aus SCB-Fans besteht. Auch Fans der Young Boys mischen mit. Gegen Servette gab es zu Beginn der Saison Probleme; auch Rapperswil, Davos, und Lugano haben eine Szene. Die friedlichsten Fans hat Langnau.

Bei der Mehrzahl der NLA-Vereine muss man also Ausschreitungen befürchten?

Ja, das ist so. Man muss immer aufpassen.

Was macht der EHC Biel gegen Fanausschreitungen?

Wir haben beispielsweise beim Projekt Fanarbeit mitgemacht (siehe Kasten). Unser Sicherheitsdienst wird von der Liga gelobt, pro Spiel setzen wir bis zu 80 Leute ein. Wir arbeiten eng mit der Polizei und anderen Klubs zusammen. Und kein Klub hat in der letzten Saison mehr Stadionverbote ausgesprochen als wir – 40. Wir sind also nicht untätig. Es gibt wohl Klubs, die das Problem weniger konsequent angehen.

Was kann das Projekt Fanarbeit bewirken?

Die Übergänge zwischen Querulanten und Fans sind fliessend. Sicher gibt es auch bei uns Leute mit kritischem Verhalten, die in einem Fanclub organisiert sind oder einem solchen nahestehen. Wenn wir an diese Leute herankommen und sie sensibilisieren können, wäre das schon ein grosser Erfolg.

Sie sagten aber auch, die «wirklichen Hooligans» könnten mit diesem Projekt nicht erreicht werden.

Die Hardliner-Hooligans sind meist nicht in eine Fanorganisation eingebunden. Zum Teil haben sie gar keinen Bezug zum EHC Biel. Das sind Gewalttouristen. Die gehen an Partien, um sich zu verhauen, um Krawall zu machen und Sachbeschädigungen zu begehen. Man hat zwar immer die Vorstellung: Das sind Wilde, Arbeitslose, Alkoholiker. Dem ist aber nicht so. Das sind Lehrlinge, Versicherungsvertreter – ein Querschnitt von jungen Leuten. Und sie suchen den Kick, Radau zu machen und nicht erwischt zu werden. Sie wissen, dass ihnen nicht viel geschieht, falls sie erwischt werden. Die bringen wir nur mit Repression weg.

Sie fordern also repressivere Massnahmen? Ist die Bieler Polizei nicht streng genug?

Ich finde, in diesem Bereich geht zu wenig. Ich glaube, die gesetzlichen Grundlagen für ein härteres Vorgehen wären vorhanden. Die Polizei könnte durchaus auch Präventivhaft anordnen. Von mir aus gesehen, sollten Täter, die auf frischer Tat ertappt werden, sofort hinter Gitter. Und zwar nicht nur, damit ihre Personalien aufgenommen werden. Nein: aburteilen, drei bis vier Tage weg. Dann müssen sie sich zu Hause, am Arbeitsplatz erklären und merken vielleicht, dass es nicht um ein Spiel geht. (Der Bund)

Erstellt: 23.09.2009, 08:16 Uhr

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