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Zwangsräumung auf der Alp

Ein Senn wollte die Alp Langenegg bei Blumenstein nicht verlassen. Die Genossenschaft hatte ihm gekündigt, weil er den Zusennen keinen Lohn bezahlt hatte. Bei der Räumung kamen tote und abgemagerte Tiere zum Vorschein.

An den steilen Hängen auf der Nordseite des Stockhorns liegen noch letzte Schneereste. Aber auch auf knapp 1200 Metern über Meer ist der Frühling so weit fortgeschritten, dass die Alp Langenegg oberhalb Blumenstein über die Güterstrasse wieder erreichbar ist. Am Montag fuhren Vertreter der Alpgenossenschaft, der Gemeinde Blumenstein und des Veterinärdienstes in Begleitung der Polizei auf die Alp, wie die «Berner Zeitung» gestern berichtete. Die Behörden hatten die Aufgabe, eine Zwangsräumung durchzuführen. Auf der verwahrlosten Alp wurden tote und abgemagerte Tiere gefunden und ein zurückgelassener Angestellter angetroffen.Abgeschnitten und eingeschneitDie Alp sei im Winter nicht bewohnbar, sagt Urs Messerli, Gemeinderat in Blumenstein. Menschen und Tiere hatten abgeschnitten und eingeschneit den Winter auf der Alp ausgeharrt. Es sei dreckig auf der Alp, sagt der Präsident der Alpkommission, Rudolf Trachsel. «Von 18 Geissen sind 3 eindeutig abgemagert, die anderen Tiere sind unterschiedlich gut genährt, aber nicht verschmutzt», sagt Benjamin Hofstetter vom kantonalen Veterinärdienst. 2 tote Zicklein, die verpackt gefunden wurden, seien möglicherweise tot geboren worden. Warum mehrere Hühner gestorben seien, sei noch nicht klar, sagt Hofstetter. Der Veterinärdienst habe die Alp einmal im Sommer und zweimal im Winter aufgesucht, weil von der Alpgenossenschaft Meldungen eingegangen seien. Damals wurde aber kein Grund für Beanstandungen festgestellt. Für Hofstetter haben die Probleme auf der Alp Langenegg nicht nur mit dem Tierschutz zu tun. «Die Gebäude sind zwar alt, massgebend ist es aber, wie die Tiere gehalten werden», sagt er. Trotzdem läuft nun von Amtes wegen ein Verfahren gegen den Sennen.Keinen Rappen LohnDie Probleme auf der Alp Langenegg haben im Sommer begonnen. Die Landwirte holten ihre Kühe und Rinder früher als gewohnt von der Alp, weil sie das Vertrauen in den Senn verloren hatten, erklärt Trachsel. Schon bald hätten sie bemerkt, dass er es mit der Wahrheit nicht sehr genau nehme. Seit Juni habe der junge Zusenn, den die Behörden am Montag auf der Langenegg antrafen, keinen Rappen Lohn mehr erhalten, sagt Messerli. Die letzte Tranche Geld habe die Alpgenossenschaft zurückbehalten, weil bereits bekannt war, dass der Senn seinen Angestellten keinen Lohn bezahlte. Um die Alp mit 60 Kühen und Rindern zu bewirtschaften brauche es drei bis vier Angestellte, sagt Trachsel. Im vergangenen Sommer habe es aber bei den Angestellten andauernd Wechsel gegeben. Obwohl dem Senn per Ende 2008 gekündigt wurde, verliess er die Alp nicht. Auch die Frist des Räumungsverfahrens am 31. März liess er ungenutzt verstreichen. Vor der Räumung hatte er dann allerdings das Weite gesucht. «Er war angeblich in Zürich am Sechseläuten», sagt Trachsel. Warum es bis zur Zwangsräumung so lange gedauert habe, liege an den Fristen für ein solches Verfahren.Dem Sennen wurde nun ein Ultimatum gestellt, seine Ziegen, Hunde, Hühner und ein Schwein von der Alp zu holen. Wenn der Senn seine Habseligkeiten nicht räumt, wird dies die Alpgenossenschaft tun. Denn bereits hat diese einen neuen Senn gewählt, der im Sommer die Tiere versorgen und die Milch verkäsen soll. Der junge, zurückgelassene Zusenn hat die Alp nach der Räumung verlassen.>

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