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Zur Situation des Berner Tourismus

Es ist ein grosses Plus, dass im Kanton Bern auf so viele Berge gefahren werden kann. Aber: Sein touristisches Potenzial kann der Kanton nur entfalten, wenn es mehr Staatsgeld gibt, sagt Tourismusprofessor Hansruedi Müller.

«Bund»:Als Wissenschaftler haben Sie im Auftrag der Volkswirtschaftsdirektion die Situation des Berner Tourismus analysiert. Welches sind die Stärken des Tourismus im Kanton Bern?Hansruedi Müller: Wir haben um 25 Stärken ausgemacht und 20 Schwächen. Die grosse Stärke ist der Standort. Man ist vom Mittelland rasch in den Bergen. Diese sind – etwa im Gegensatz zum Kanton Graubünden – auch direkt erlebbar dank profilierten Bergbahnen. Man kann zum Beispiel aufs Stockhorn, aufs Jungfraujoch oder auf den Niesen fahren. Eine weitere Stärke liegt im Tagestourismus, vorab dem Ausflugstourismus für den Feriengast, den man unbedingt fördern sollte.

Und wo liegen die Schwächen im bernischen Tourismus?

Der Tourismus im Kanton ist nicht ganz so einheitlich. Im Prinzip ist er ein Abbild des gesamtschweizerischen Tourismus. Im Berner Oberland findet ein grosser Teil des Tourismus statt, dann gibt es aber auch die Stadt Bern mit urbanem Tourismus oder wir haben das Seeland und den Berner Jura mit dem Charme einer anderen Sprache und Kultur. Diese Vielfalt kann man nun als Stärke betrachten, allerdings ist es auch eine grosse Herausforderung, damit umzugehen. Im Berner Tourismus gehen zudem die Strukturbildungsprozesse kaum voran. Und der Wellnessbereich hat im Kanton Bern noch ein grosses Entwicklungspotenzial.

Ist der Wellnesstrend nicht schon fast wieder vorbei?

Vorbei ist er ganz bestimmt nicht, sonst würden nicht an so vielen Orten noch ganz tolle Wellnesscenter entstehen. Wellness ist allerdings viel differenzierter geworden: Heute gibt es das Thema «alpine Wellness». Gerade in diesem Bereich wäre im Berner Oberland noch sehr viel Potenzial vorhanden. Dann gibt es den ganzen Medical-Wellness-Bereich. Auch dieser ist hier noch nicht sehr stark verankert.

Ihre Analyse hat ergeben, dass sich der Berner Tourismus seit 2001 grundsätzlich gut entwickelt hat. In welchen Bereichen denn?

Wir verfügen für diese Aussage über statistische Indikatoren. Diese basieren zum grössten Teil auf Hotellogiernächten. Auf der anderen Seite haben wir zum Beispiel auch die Frequenzen der Bergbahnen. Im direkten Vergleich mit anderen Destinationen hat sich gezeigt, dass sich der Berner Tourismus überdurchschnittlich gut entwickelt hat in einem Zeitraum, der ja nicht ganz krisenfrei war. Unter den Krisen litten andere Tourismusgebiete viel mehr als der Kanton Bern.

Trotz guter Entwicklung des Tourismus besteht laut Ihrer Analyse die «latente Gefahr, von Mitbewerbern überholt zu werden». Inwiefern?

Bezüglich Produktegestaltung, eben etwa im Wellnessbereich. Auch im Gourmetbereich sollte man ganz gut hinsehen, was an anderen Orten gemacht wird. Diskutiert werden müsste zudem über eine kantonale Tourismusförderungsabgabe.

Im Vergleich mit dem Wallis und Graubünden gibt der Kanton Bern heute weniger Staatsmittel für den Tourismus aus. Müssten es also deutlich mehr sein?

Wir sind der festen Überzeugung, dass man im Kanton Bern finanziell mehr für den Tourismus tun könnte. Diesbezüglich gibt es ja Signale vom Regierungsrat, dass man Korrekturen anbringen möchte.

Die Tourismusbranche ist doch eine Wirtschaftsbranche wie jede andere auch. Weshalb sollte man denn ausgerechnet dem Tourismus mit staatlichen Mitteln unter die Arme greifen?

Tourismus ist nicht eine Branche, sondern eine Querschnittsdisziplin. Tourismus kann nur von der Nachfrage her definiert werden, über das Ausgabeverhalten der Gäste und nicht über das Angebot. Die Wirtschaftsbranchen prosperieren am Tourismus, vom Detailhandel über die Gastronomie bis hin zu den Banken. Deshalb tut man nicht schlecht daran, den Tourismus mit seiner breiten Wertschöpfungskette speziell zu behandeln.

Sie halten in Ihrem Positionspapier fest, dass man der Erschliessung des alpinen Raums mehr Aufmerksamkeit schenken müsste, vorab höher gelegenen «Geländekammern». Das ist nicht gerade ökologisch. Dabei spielt doch Ökologie im Tourismus eine wichtige Rolle, wie Sie heute festhielten.

Unbedingt, ja. In erster Linie sollte man deshalb bestehende Skigebiete verdichten. In Ausnahmefällen sollte es aber möglich sein, neue Geländekammern zu erschliessen, um die Schneesicherheit zu garantieren. Es ginge um zwei, drei Ausnahmen. Es ist klar, dass etwa in den vier bestehenden Naturpärken keine solchen Ausnahmen gelten dürften. Dies müsste in einem kantonalen Masterplan definiert werden.

Wo wären Ausnahmen möglich?

In dieser Frage möchte ich mich nicht festlegen.

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