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Wohnhilfe Biel in Nöten

Die Nachfrage nach günstigen Wohnungen steigt normalerweise erst drei Jahre nach einer Wirtschaftsbaisse. Doch in Biel sind bereits jetzt Wohnungen gesucht. Die Nachfrage nach Wohnhilfe explodiert.

In diesem Gebäude wollte Casanostra 22 Wohnungen für Bedürftige schaffen. (Adrian Moser)
In diesem Gebäude wollte Casanostra 22 Wohnungen für Bedürftige schaffen. (Adrian Moser)

Der Geschäftsführer Fritz Freuler vom Verein Casanostra in Biel ist besorgt. «Wir können die Nachfrage nach unseren Dienstleistungen im Moment nicht decken.» Letztes Jahr meldeten sich bei ihm rund 200 Personen, welche Hilfe bei ihrer Wohnsituation brauchen. Üblicherweise sind es nur 140. Der starke Anstieg ist vor allem auf das vierte Quartal 2008 zurückzuführen, gab Freuler gestern an der erst zweiten Medienkonferenz der Vereinsgeschichte bekannt.Wohnungen für BedürftigeDer Verein Casanostra bietet seit knapp zwanzig Jahren Hilfe rund ums Wohnen an. Die Hilfe richtet sich an Personen, welche von Wohnungslosigkeit bedroht sind oder grosse Probleme mit dem selbstständigen Wohnen haben. Viele Klienten kommen erst zu Casanostra, wenn es schon zu spät ist und sie aufgrund einer Exmission auf dem normalen Mietmarkt keine Chance mehr haben.Knapp 80 Prozent der 115 Mieterinnen und Mieter 2008 bezogen Sozialhilfe. Etwa 50 Bewohner haben ein Suchtproblem, rund 40 sind psychisch behindert oder krank. Die restlichen rund 20 Mieter von Casanostra-Wohnungen haben kein spezifisch erfasstes Problem. «Das können Leute mit einer anderen Hautfarbe sein, welche deswegen keine Wohnung finden, aber eigentlich keine Probleme verursachen», sagte Freuler. All diesen Menschen bietet Casanostra die Möglichkeit an, in einer ihrer Wohnungen zu leben. Sie bezahlen alle einen angemessenen Mietpreis.In einem Leistungsvertrag mit der Stadt Biel ist ausserdem festgehalten, dass Casanostra jederzeit in der Lage sein muss, Notwohnungen anzubieten. Nebst drei Notwohnungen mit sechs möblierten Zimmern und je einer möblierten 3- und 4-Zimmer-Wohnung verfügt der Verein über rund 90 Wohnungen – über die Hälfte davon Einzimmerwohnungen. Das gibt dem Verein eine grosse finanzielle Unabhängigkeit. Rund 86 Prozent des Budgets werden von Einnahmen aus den Mieten gedeckt.Anstieg kommt zu frühBesorgniserregend am jüngsten Anstieg der Nachfrage ist für Freuler, dass der Zeitpunkt nicht mit den bisherigen Erfahrungen übereinstimmt. «Normalerweise verzeichneten wir etwa drei bis vier Jahre nach einem Konjunktureinbruch einen Anstieg der Nachfrage.» Jetzt kommt er gleichzeitig mit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise. Für die Zukunft ist Freuler deshalb pessimistisch. «Wenn in drei Jahren noch die Menschen der jetzigen Krise dazukommen, werden unsere Kapazitäten erst recht nicht mehr genügen.» Gründe für den Anstieg kann Freuler auch nicht genau nennen. Er vermutet aber, dass es mit der gestiegenen Bekanntheit von Casanostra zu tun hat. Es ist auch nicht eine spezielle Gruppe von Menschen erkennbar, welche plötzlich dazustösst. Um der gestiegenen Nachfrage gerecht zu werden, wollte der Verein an der Länggasse 9 (siehe Bild) zusammen mit der Stadt Biel eine neue Liegenschaft erwerben. Damit hätte der Verein auf einen Schlag 22 Wohnungen dazugewonnen. «Leider war ein anderer schneller als wir», sagte Freuler. Die politischen Prozeduren in der Stadt hätten zu lange gedauert.Wenn der Verein weiterhin Menschen in schwierigen Wohnlagen helfen will, dann braucht es aber schon bald eine neue Liegenschaft oder mehr Wohnungen, welche Casanostra mieten kann. Freuler appelliert deshalb an die Stadt Biel, bei der Suche nach einer geeigneten Liegenschaft mitzuhelfen. Auch die Liegenschaftsbesitzer sind gefordert: «Wir suchen dringend Wohnungen, in denen wir Menschen platzieren können.»Projekt «Wohnfit» soll helfenDamit die Menschen erst gar nicht von ihren Vermietern rausgeworfen werden, startet Casanostra neu das Projekt «Wohnfit». Häufig verlieren Menschen ihre Wohnung aufgrund ihres schlechten Benehmens. Casanostra bietet Menschen, die eigentlich selbstständig leben könnten, Hilfe beim Putzen, Waschen und der Einhaltung der Hausordnung an. Die Menschen müssen aber bereit sein, sich regelmässig von einer Sozialarbeiterin kontrollieren zu lassen und an sich selbst zu arbeiten. Neu an «Wohnfit» ist zudem, dass es auch in Lyss und in weiteren Gemeinden rund um Biel angeboten werden soll.>

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