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Stunde der Wahrheit für BDP und SVP

Bei den Wahlen 2005 war in Herzogenbuchsee noch vieles anders: Seither kam es zur Fusion mit Oberönz, zur Abspaltung der BDP von der SVP und zur Gründung der Grünliberalen. Vorab die BDP-Strategen schauen in einer Woche gebannt in den Oberaargau.

Die Geschichte der letzten Wahlen in Herzogenbuchsee ist rasch erzählt: Die SVP brachte am 25. September 2005 als stärkste Partei drei Personen in den siebenköpfigen Gemeinderat. Die SP gewann – dank einer Listenverbindung mit der EVP – einen dritten Sitz. Die EVP selber, die erstmals angetreten war, ging leer aus, die FDP verlor einen von bisher zwei Sitzen (siehe Tabelle). Und: In der Folge übernahm mit Charlotte Ruf (svp) erstmals eine Frau das Gemeinderatspräsidium.In der Zwischenzeit haben sich in Herzogenbuchsee wesentliche Veränderungen ergeben. Deshalb ist es schwierig, zu den Gemeindewahlen vom nächsten Wochenende Voraussagen zu machen. Die erste Veränderung betrifft die Fusion mit Oberönz. Diese erfolgte auf Anfang 2008. Nachdem sich das grosse Herzogenbuchsee (mit rund 5800 Einwohnern) mit dem kleinen Oberönz (knapp 900 Einwohner) vereinigt hatte, wurde der Gemeinderat der neuen Gemeinde durch zwei Mitglieder des vormaligen Oberönzer Gemeinderats auf neun vergrössert. Die neuen Mitglieder sind die vormalige Gemeinderatspräsidentin von Oberönz, Katharina Schafroth (svp), und Martin Wälchli (sp). Bei den diesjährigen Wahlen tritt von den beiden nur Schafroth wieder an. Die Frage ist nun, ob nach den Wahlen überhaupt noch jemand aus dem Ortsteil Oberönz im Gemeinderat sitzen wird. Eine Klausel, wie sie auf Kantonsebene für den Berner Jura existiert und diesem einen Sitz im Regierungsrat garantiert, gibt es für Oberönz nicht. Von den sechs Parteien, die antreten, haben vier je eine Kandidatin oder einen Kandidaten aus Oberönz aufgestellt: SVP, FDP, EVP und BDP. Am meisten Chancen auf den allfälligen Oberönzer Sitz dürften sich Katharina Schafroth (svp) und Kurt Grossenbacher (bdp) ausrechnen. Wahlen mit SignalwirkungDieser Zweikampf leitet direkt über zu den anderen Veränderungen, die sich seit den letzten Wahlen ergeben haben. Mit der BDP und den Grünliberalen (glp) treten gleich zwei neue Parteien an. Mit Spannung wird vor allem erwartet, wie SVP und BDP abschneiden werden. Die Ergebnisse in Herzogenbuchsee und auch in Lyss, wo gleichentags gewählt wird, sind im Hinblick auf die Grossratswahlen vom März für die Parteistrategen von grossem Interesse. Es handelt sich um die ersten Wahlen in grösseren Gemeinden im zweiten Jahr nach der Abspaltung der BDP von der SVP, die Mitte 2008 erfolgt war.Den Resultaten wird eine Signalwirkung zugeschrieben. Aus diesem Grund habe man sich in Herzogenbuchsee ziemlich viel Mühe gegeben, sagt Grossrat Dieter Widmer, Präsident der BDP Oberaargau. Er sei «sehr zuversichtlich», dass die BDP einen Sitz gewinnen werde. Diese Hoffnung beruhe auf den Reaktionen auf die Neugründung, die erst diesen März erfolgte. Auch die Art des Wahlkampfs sei gut angekommen, sagt Widmer. Für die BDP dürfte es eher schwierig werden, sagt dagegen Grossrat Christian Hadorn, Präsident der SVP Oberaargau. Mit der amtierenden Gemeinderatspräsidentin Charlotte Ruf, dem «sehr bekannten» Fernand Raval und der Oberönzerin Katharina Schafroth verfüge die SVP über den Vorteil, drei Bisherige ins Rennen schicken zu können. Von den Wählern «wird sicher ein grosser Teil bei uns bleiben», sagt Hadorn. Er verweist darauf, dass in Herzogenbuchsee von den amtierenden SVP-Gemeinderatsmitgliedern kein einziges zur BDP übergetreten ist. Dieses Argument führt auch Daniel Kämpfer ins Feld, Ko-Präsident der lokalen SVP. Es seien nur wenige Parteimitglieder ausgetreten. Für die SVP sei es realistisch, die drei Sitze verteidigen zu können. «Gründung erfolgte zu spät»Kämpferisch gibt sich Hans Moser, Präsident der lokalen BDP: «Wir nehmen nicht an den Wahlen teil, um bloss ehrenvoll abzuschneiden.» Für ihn ist es leicht zu erklären, warum von den SVP-Gemeinderatsmitgliedern keines zur BDP übergetreten ist: «Unsere Parteigründung erfolgte zu spät.» Moser spricht – im Gegensatz zu Kämpfer – von «vielen», die bei der SVP abgesprungen seien. Die BDP hoffe auch darauf, Leute ansprechen zu können, die bisher nicht wählten.Wie sich der Auftritt der GLP auswirken wird, ist eine andere Frage. Kandidat Thomas Kalau hofft aufgrund der Reaktionen im Dorf ebenfalls auf einen Sitz. Ungewiss ist weiter, ob es der FDP gelingt, den Sitz zurückzugewinnen, den sie vor vier Jahren an die SP verloren hatte. Und es gibt Stimmen, die sagen, die EVP dürfe nicht unterschätzt werden; sie tritt in Herzogenbuchsee zum zweiten Mal an. >

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