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Spengler seit 150 Jahren

Mit drei Franken Schulgeld pro Semester und 20 Schülern begann freiwillig, was heute rund 2700 Schüler obligatorisch in Anspruch nehmen: die Thuner Berufsfachschule (GIB).

Die erste Spenglerin der Schweiz, Nicole Brügger, schloss 1994 ihre Lehre an der Gewerblich Industriellen Berufsfachschule Thun (GIB) ab. Dies ist nicht die einzige Anekdote, die sich um die zweitgrösste Gewerbeschule im Kanton rankt – schliesslich gibt es sie schon seit 150 Jahren. Geschichte und Gegenwart der Institution sollen wegen der runden Zahl dieses Jahr «gebührend gefeiert» werden, wie GIB-Direktor Hansrudolf Gerber gestern vor den Medien sagte (zum Programm siehe Kasten). Heute büffeln an der GIB rund 2700 Schüler aus dem ganzen Berner Oberland an ein bis zwei Tagen pro Woche obligatorisch Allgemeinbildung und berufsspezifische Fächer – zum Beispiel Werkstoffkunde. Im Laufe der Zeit sind Berufe wie Schmied, Fräser und Telegrafist verschwunden und andere wie Logistiker und Betriebspraktiker entstanden. Letzterer, eine Art Abwarts-Gehilfe, wird im Kanton Bern nur in Thun gelehrt. Während der Besuch der GIB heute selbstverständlich ist, lief im vorletzten Jahrhundert nicht alles rund. In der «Thuner Chronik» von 1859 steht zwar zur damals Handwerkerschule genannten GIB, sie erfreue sich mit 20 Schülern «zahlreicher Teilnahme». Aber schon 1870 musste der Unterricht vorübergehend eingestellt werden, weil sich nicht genügend Lernwillige fanden. Drei Franken SchulgeldDie wöchentliche Dosis von fünf Lektionen war damals noch freiwillig, unterrichtet wurde am Abend und am Sonntag. Drei Franken betrug das Schulgeld pro Semester – dieses mussten Lehrlinge zusätzlich zum Lehrgeld für ihre Ausbildung bezahlen. Auch die zum Teil lange Anreise aus Oberländer Tälern und die Tatsache, dass die Lehrmeister ihre Auszubildenden oft im Betrieb behalten wollten, dürfte Letztere vom Schulbesuch abgehalten haben. 1963 wurde ein Tag pro Woche an der nun Gewerbeschule genannten Bildungsstätte obligatorisch. Für Bäckerlehrlinge beispielsweise bedeutete dies Arbeit von drei Uhr morgens bis zwölf Uhr mittags, Schulbank am Nachmittag und abends wieder Backstube. Diese Doppelbelastung wurde erst in den 1970er Jahren verboten. Die ersten Lehrerinnen begannen noch später an der GIB zu unterrichten. Schülerinnen gibt es seit über 100 Jahren, und heute sind beide Geschlechter in allen 29 Berufen vertreten. «Dennoch existieren nach wie vor typische Männer- und Frauenberufe», sagte Direktor Gerber. Wichtig sei, bereits in der Volksschule und bei den Lehrbetrieben Klischees abzubauen. «Unseren Wohlstand verdanken wir letztlich der Berufsbildung.» Diese sei in gewissen Köpfen aber immer noch weniger angesehen als der Weg über Gymnasium und Universität. «Dabei fehlen uns genauso viele angewandte Ingenieure wie ETH-Absolventen.» 20 Prozent weniger LehrlingeMeilensteine in der Geschichte seiner Schule seien unter anderem der Neubau des Schulhauses 1972 und der Wechsel von der Stadt Thun als Trägerin zum Kanton 2001. «Seit damals sind wir Teil eines Grosskonzerns und viele Prozesse sind träger geworden.» Nicht grundsätzlich verändert hätten sich hingegen die jungen Leute und ihre Probleme. «Fünf bis zehn Prozent der Schüler haben ein soziales Risiko und sind schwierig im Umgang.» Im Gegensatz zur Volksschule habe die GIB aber Unterstützung durch Lehrmeister, die die Jungen auf die richtige Bahn lenken könnten. Vorfälle wie der 2007 von Schülern angedrohte Amoklauf seien in letzter Zeit nicht mehr vorgekommen. Eine Herausforderung für die Zukunft sei die Tatsache, dass in nächster Zeit wegen geburtenschwacher Jahrgänge bis zu 20 Prozent weniger Schulabgänger eine Lehre anfingen.>

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