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Lehrstuhl für Palliativmedizin?

Die Universität Bern soll einen interdisziplinären Lehrstuhl für Palliative Medizin, Pflege und Betreuung erhalten. Das fordern über hundert Personen, auch viele Ärzte und Pflegende, in einem Brief an die Berner Regierung. Die Medizinische Fakultät ist grundsätzlich bereit – wenn der Kanton zahlt.

Hinter dem Schreiben an den Regierungsrat stehen viele Ärztinnen, Ärzte, Pflegefachleute, Palliativpflegeexpertinnen, Dozentinnen, Dozenten und Politiker, initiiert wurde es von Martin Rothenbühler, dem Geschäftsleiter der Schweizerischen Stiftung Sanacert für die Zertifizierung der Qualitätssicherung im Gesundheitswesen.

«Bestmögliche Lebensqualität»

Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner berufen sich auf das Bundesgesetz über die universitären Medizinalberufe vom 23. Juni 2006, das verlangt, «Absolventinnen und Absolventen eines Studienganges für Humanmedizin» müssten nach ihrer universitären Ausbildung «über die wissenschaftlichen Grundlagen verfügen, die für vorbeugende, diagnostische, therapeutische, palliative und rehabilitative Massnahmen erforderlich sind». Sie müssten dann befähigt sein, «Patientinnen und Patienten bis zu ihrem Lebensende sozial und fachlich kompetent zu begleiten».

Palliative Care ist, laut Weltgesundheitsorganisation WHO, «die umfassende und aktive Behandlung von Patienten, deren Erkrankung einer kurativen Therapie nicht mehr zugänglich ist und für die das Behandlungsziel die bestmögliche Lebensqualität für sie und ihre Angehörigen ist».

Einiges ist schon vorhanden

Die Einrichtung eines Lehrstuhls für Palliativmedizin sei ein Gebot der Zeit, auch im Kanton Bern, finden die Briefverfasser.

Es gebe zwar auch im Kanton Bern bereits etliche entsprechende ambulante und stationäre Angebote: spitalexterne Dienste, Hausärztinnen und Hausärzte, Pflegeheime, Angehörige, Freiwilligenorganisationen und weitere Partner, die Patientinnen und Patienten zu Hause oder im Pflegeheim betreuen; oder spezialisierte Angebote in Akutspitälern und Stationen für Palliative Therapie für Patientinnen und Patienten, deren gesundheitlicher Zustand eine komplexere Behandlung und Pflege erfordert. Und sie weisen auch auf jene spezielle Abteilung der Klinik für Allgemeine Innere Medizin des Inselspitals hin, die konsiliarisch Palliativpatientinnen und -patienten betreut.

Für die Unterzeichner des Briefes ist wichtig, dass all diese «Partner, Berufsgruppen und Disziplinen untereinander koordiniert werden» und dass «die bestmögliche Ausbildung, Weiterbildung und Begleitung gewährleistet wird». Um dies zu erreichen, sei die Schaffung eines Lehrstuhls für Palliative Medizin, Pflege und Betreuung unumgänglich – samt Abteilung mit eigenen Betten. Zum Vergleich: An der Medizinischen Fakultät der Universität Bern sind (laut Jahresbericht 2007) 59 ordentliche und 12 ausserordentliche Professorenstellen besetzt – 8 von Frauen.

Grundsätzliche Zustimmung

Die Forderung nach einem Lehrstuhl für Palliative Care wird von Prof. Peter Eggli, dem Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Bern, und von Prof. Andreas Tobler, dem ärztlichen Direktor des Inselspitals, «grundsätzlich unterstützt». Es sei unbestritten, sagten sie auf Anfrage, dass Palliative Medizin und Pflege (Palliative Care) «eine hohe Bedeutung hat, die in Zukunft noch zunehmen wird».

Das Inselspital sei bisher «noch ohne klaren Auftrag für Palliative Medizin», da Palliative Care als Teil der Grundversorgung betrachtet und den regionalen Spitalzentren übergeben werde. Das Inselspital verfüge aber immerhin «über einen Konsiliar- und Liaisondienst für Palliative Care». Für Eggli und Tobler ist wichtig, dass die allfällige Palliativmedizin-Professur «ihre klinische ,Homebase‘» am Inselspital haben wird, da sich «gerade auch in der Maximalmedizin Fragen der Palliativmedin zunehmend stellen – Fragen, die im akademischen Umfeld erforscht werden sollten».

«Der Kanton muss zahlen»

In diesem Zusammenhang weisen sie auf Bestehendes und Bewährtes hin: etwa die medizinische Onkologie und Radio-Onkologie; die Anästhesie, die eine professionelle Schmerztherapieeinheit führe; oder die Rheumatologie, die bei der Schmerzbehandlung ebenfalls eine zentrale Rolle spiele.

«Grundsätzlich unterstützen wir also die Einrichtung einer Universitätsprofessur für Palliative Medizin», sagen sie – setzen gleichzeitig aber voraus, «dass der Kanton die finanziellen Mittel zur Verfügung stellt und das Inselspital bei der Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur unterstützt».

Perrenoud: «Warum nicht?»

Der Regierungsrat hat über den Brief (und auch über eine entsprechende Motion von SP-Grossrätin Danielle Lemann) noch nicht beraten. Auf Anfrage meinte Gesundheits- und Fürsorgedirektor Philippe Perrenoud jedoch: «Warum nicht?» Palliativmedizin sei ein wichtiges Thema. Bei der heutigen Geldknappheit müssten allerdings Prioritäten gesetzt werden. Er sei aber daran, die Palliativmedizin im Kanton Bern aufzuwerten. Ein entsprechendes Konzept werde er demnächst vorlegen – allerdings noch ohne Überlegungen zum Palliativ-Lehrstuhl. Dies sei Sache der Erziehungsdirektion. Erziehungsdirektor Bernhard Pulver wollte sich dazu noch nicht äussern.

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