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Kommentar: Höchste Hürde kommt erst

Warum sollte man politisch interessierten 16- oder 17-Jährigen verwehren, an Abstimmungen und Wahlen teilzunehmen? Weil sich viele Gleichaltrige nicht für Politik interessieren? Weil sie geistig noch nicht reif dafür sind? Oder weil dann das Mündigkeitsalter nicht mehr mit dem Stimmrechtsalter identisch wäre? Richtig überzeugende Argumente konnten die Gegner in den letzten zwei Jahren nicht gegen das Stimmrechtsalter 16 vorbringen. Das Interesse an Politik fehlt oft auch bei den älteren Semestern. Reife müssen die Jugendlichen heute bereits bei wichtigen Entscheidungen in Familie, Ausbildung und Freizeit zeigen. Und dass Mündigkeits- und Stimmrechtsalter auseinanderdriften, mag zwar formal störend sein, reicht aber nicht, um den Jugendlichen die politische Mitsprache zu verwehren.

Die Gegenseite hat da schon mehr zu bieten: In einer alternden Gesellschaft kann die Senkung des Stimmrechtsalters den Generationenvertrag stärken. Zudem wäre der Einbezug der 16- und 17-Jährigen ein positives Zeichen gegenüber einer oft kritisierten Jugend. Wer mitbestimmen kann, übernimmt eher Verantwortung. Auch der staatspolitische Unterricht liefe weniger ins Leere, wenn die Jugendlichen am Ende ihrer Schulzeit das Gelernte konkret umsetzen könnten. Und schliesslich kennen der Kanton Glarus sowie verschiedene deutsche und österreichische Bundesländer Stimmrechtsalter 16 bereits, ohne dass negative Nebenwirkungen bekannt wären.

Obschon die Befürworter die besseren Argumente haben, wird es für sie sehr schwierig werden, im November die Volksabstimmung zu gewinnen. Umfragen sowie die jüngsten Ergebnisse in den Kantonen Uri und Basel-Stadt sprechen diesbezüglich eine deutliche Sprache. Stimmrechtsalter 16 scheint derzeit in der Bevölkerung chancenlos zu sein. Dennoch sollten sich die Gegner nicht zu früh freuen. Mit Nadine Masshardt haben die Befürworter ein engagiertes, motiviertes und sympathisches Zugpferd. Gelingt es den Parteien und Verbänden zudem, viele Jugendliche für eine aktive Kampagne zu gewinnen, so könnte auch das Unmögliche möglich werden. Denn: Warum sollte man politisch interessierten 16- oder 17-Jährigen verwehren, an Abstimmungen und Wahlen teilzunehmen?

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