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«Junge» Fächer im Kommen

Ein Boomfach an der Universität Bern war in den letzten Jahren die Sportwissenschaft. Studierende verloren haben hingegen die klassischen Fremdsprachen und die Pharmazie.

Von den neun Fakultäten an der Universität Bern ist sie die jüngste: die Philosophisch-humanwissenschaftliche Fakultät. Im Jahr 2005 gegründet, beherbergt sie heute die drei Studienfächer Erziehungswissenschaft, Psychologie und Sportwissenschaft, wovon die beiden Letzteren zu den Boomfächern der letzten Jahrzehnte gehören. 2007 waren drei Mal mehr Studierende im Fach Psychologie eingeschrieben als 1980, bei den Sportstudierenden waren es gar sechs Mal mehr (siehe auch Tabelle). Auch insgesamt kann die Fakultät auf einen fulminanten Start zurückblicken: Mit total 1937 Studierenden im Jahr 2007 gehört sie bereits zu den vier grössten Fakultäten an der Universität Bern und verzeichnet neben der Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät den grössten Studierendenzuwachs der letzten 27 Jahre.

Lange Zeit ein Stiefkind

Doch nicht alle der heutigen Trendfächer hatten es leicht, sich zu etablieren. Gerade Sportwissenschaft galt lange Zeit als Stiefkind der Universität. Obwohl Turnen bereits 1866 einen festen Platz in der Sekundarlehrerausbildung hatte, wurde erst 1968/69 der erste Kurs zur Ausbildung von Turnlehrern angeboten. 1969 entstand dann aus dem «Sportamt» das «Institut für Leibeserziehung und Sport». Seit knapp sieben Jahren kann das Lizenziat im Hauptfach «Sportwissenschaft» erworben werden.

Das Fach Psychologie erhielt immerhin schon 1860 eine erste Professur. Mit der Ernennung von Moritz Lazarus entstand der erste Lehrstuhl für Psychologie des deutschsprachigen Europa. Nach seinem Weggang aus Bern wurde der Berner Lehrstuhl 40 Jahre lang nicht besetzt. Erst 1906 wurde das Fach wieder an der Philosophischen Fakultät gelehrt, und 1953 wurde ein Institut für Psychologie geschaffen. Im darauf folgenden Jahr studierten lediglich 12 Personen Psychologie, doch bereits 1967 waren es 200. Inzwischen besteht das Institut aus sieben Abteilungen und verfügt auch über eine Förderprofessur im Bereich Experimentelle Sozial- und Persönlichkeitspsychologie.

Noch mehr beliebte Fächer als die Philosophisch-humanwissenschaftliche Fakultät beherbergt die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät (Wiso). Der Studierendenmagnet schlechthin ist heute die Betriebswirtschaftslehre, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts etablierte. Ihr erster Vertreter war der 1912 berufene Moritz Weyermann. 1928 dann gründete Hans Töndury das «Betriebswirtschaftliche Seminar», das zum Ausgangspunkt für das heutige «Departement Betriebswirtschaftslehre» wurde. Das erste offizielle Institut für Betriebswirtschaftslehre wurde jedoch erst 1956 gegründet. Bereits damals war die Betriebswirtschaftslehre eng mit der Praxis verknüpft: «Forschung und Begutachtung von Problemen an der Praxis» lautete schon damals eine der Institutsaufgaben. Während es Ende der 20er-Jahre des letzten Jahrhunderts noch eine Professur für Landwirtschaftliche Betriebslehre gab, wetteifern heute Finanzmanagement und Wirtschaftsinformatik um die Gunst der Studierenden.

Überflieger Politologie

Überflieger des letzten Jahrzehnts ist aber die Politologie. Seit 1993 kann man die junge Wissenschaft im Hauptfach studieren. Im nächsten Jahr wird eine dritte Professur geschaffen. Das in den 60er-Jahren geschaffene «Forschungszentrum für Geschichte und Soziologie der schweizerischen Politik» ermöglichte ein Studium der Politologie als Ergänzungsfach der Wirtschaftswissenschaft. Mit der Wahl von Professor Wolf Linder wurde Politologie 1987 dann auch als Nebenfach eingeführt.

Das Studienfach Soziologie hingegen erhielt seine erste Professur schon 1953, sieben Jahre später wurde der Vorläufer des heutigen Instituts gegründet. Auch das dritte sozialwissenschaftliche Fach, welches sich einer grossen Beliebtheit erfreut, blickt auf eine erst kurze Geschichte zurück: Das Nebenfach Kommunikations- und Medienwissenschaft wurde 1989 gegründet, 2007 waren bereits 664 Studierende eingeschrieben. Trotz seinem Erfolg fiel es dem Spardruck zum Opfer und wird nicht mehr als eigenständiges Fach angeboten.

Spanisch statt Italienisch?

Es gibt aber auch Fächer, die still und leise kleiner werden. Dazu gehören die Deutsche, die Französische und die Italienische Sprach- und Literaturwissenschaft. Auch Latein und Griechisch werden immer weniger belegt. Dafür erfreuen sich bei den Sprachen das Spanischstudium und die slawischen Sprachen einer wachsenden Beliebtheit. Massiv an Beliebtheit verloren hat hingegen das Pharmaziestudium: 1980 waren noch über 200 Studierende eingeschrieben, 2007 waren es lediglich noch 51.

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