Zum Hauptinhalt springen

Innovationen auf dem Mont Soleil

Solarzellen leisten immer mehr. Ein Beispiel für den Fortschritt sind die Module, mit deren Hilfe Bertrand Piccard die Welt im Flug umrunden will. Erstmals werden sie nun auf dem Mont Soleil getestet.

Der Mont Soleil im Berner Jura machte seinem Namen gestern alle Ehre: Die Sonne strahlte, als Vertreter des bernischen Energiekonzerns BKW vor den Medien über Fortschritte bei der Stromerzeugung durch Sonnenenergie sprachen. Zuerst ging es im drittgrössten Solarkraftwerk der Schweiz jedoch um Schnee: «Die meisten der 17 Jahre alten Solarzellen funktionieren zwar noch einwandfrei, aber die Schneemassen des Winters haben einige Module beschädigt», so Jakob Vollenweider, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft und BKW-Tochter Mont-Soleil.

Weil die beschädigten Zellen der Firma Siemens nicht mehr erhältlich seien, würden sie durch Rückkontaktzellen aus Silizium ersetzt. Deren Kontakte befinden sich auf der Rückseite. Dadurch kann die gesamte Vorderseite Sonnenlicht aufnehmen. Die hocmodernen Zellen wird Bertrand Piccard auf seinem allein von der Sonne angetriebenen Flieger «Solar Impulse» installieren, mit dem er 2010 die Erde umrunden will. Bisher wurden die Module für das Vorhaben auf dem Jungfraujoch getestet. Sie erreichen Wirkungsgrade von fast 25 Prozent – rund ein Viertel des einfallenden Sonnenlichts wird in Strom umgewandelt. «1991 schafften Fotovoltaik-Zellen nur 14 Prozent», sagte Martin Pfisterer, Präsident von Mont-Soleil. Bewähre sich die neue Technologie, sei dies ein bedeutender Fortschritt.

Neuartige Materialien

Damit nicht genug der Innovation: Jedes Jahr testen Firmen aus der ganzen Welt neuartige Zellen im Sonnenkraftwerk, das vor allem für die Forschung genutzt wird. «Bald erhalten wir einen Ziegelstein, der Sonnenlicht in Strom umwandeln kann», sagte Rudolf Minder, Leiter Forschung von Mont-Soleil. Gerade in der kleinräumigen Schweiz müsse sich die Solartechnologie in Gebäude integrieren lassen.

Im Moment dreht sich auf dem Mont Soleil vieles um die Frage, ob sich kristalline oder Dünnschicht-Zellen auf dem Markt durchsetzen werden. «Erstere werden aus Silizium-Scheiben hergestellt, Letztere bestehen aus einer dünnen Halbleiterschicht auf einer Trägerplatte», sagte Minder. Die Herstellung kristalliner Zellen sei aufwendiger, ihr Wirkungsgrad dafür doppelt so hoch wie bei Dünnschichtzellen. Eine Anlage mit Dünnschichtzellen benötige zudem doppelt so viel Platz wie eine mit kristallinen. «Heute beträgt der Marktanteil der Dünnschichtzellen 20 Prozent, Tendenz steigend.» Auf dem Mont Soleil werden auch neue Materialien erforscht. So gibt es flexible Dünnschicht-Module – etwa für Wohnwagen. Experimentiert wird ferner mit Zellen aus Cadmium-Tellurid und Kupfer-Indium-Diselenid. Wie die exotischen Namen vermuten lassen, sind diese Materialien allerdings selten und teuer.

Kritik am Bund

Die Zukunft der Solarenergie könnte verheissungsvoll sein, es bleiben aber Hürden. «Das Rezyklieren der zum Teil toxischen Bestandteile von Solarzellen ist nach wie vor problematisch», sagte Minder. Allerdings gebe es inzwischen Firmen, die Rücknahme und sachgerechte Entsorgung der Zellen garantierten. Ein weiteres Problem ist immer noch der Preis des Solarstroms: Eine Kilowattstunde kostet rund 80 Rappen, während es beim Atomstrom nur 5 Rappen sind. Seit Anfang Jahr fördert der Bund die Solarenergie mit der kostendeckenden Einspeisevergütung. «Dies ist leider einseitig und unangemessen, da das Geld nur der heutigen Solartechnologie zugute kommt», sagte Pfisterer. «Die Forschung müsste mindestens ebenso stark gefördert werden, um die Schwächen der Fotovoltaik auszumerzen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch