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«Freundschaft hat keine Hautfarbe»

Drei Jugendliche mit ausländischen Wurzeln erzählen von Vorurteilen im Alltag und ihrer Freundschaft zwischen den Kulturen. Und sie nehmen an einem Plakatwettbewerb teil, mit dem Integration gefördert und Rassismus zum Thema gemacht werden soll.

«Schweizer sind von Natur aus dümmer als Amerikaner – und sie stinken.» Wer solches öffentlich äussert, macht sich in der Schweiz unter Umständen strafbar: Die Artikel 261bis des Schweizerischen Strafgesetzbuches und Artikel 171c des Militärstrafgesetzes stellen Handlungen unter Strafe, die Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihrer Herkunft herabwürdigen.«Das Strafrecht reicht nicht; es kann eine Gesellschaft nicht ordnen, sondern kriminalisiert Menschen», sagt Doris Angst, Leiterin des Sekretariats der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR). Die Wurzel des Rassismus stecke in der Angst vor dem Fremden, diese sei in der menschlichen Psyche verankert, erläutert sie: «In Zeiten von Unsicherheiten und Krisen sind es häufig die als fremd Empfundenen, die für das Ungemach verantwortlich gemacht werden.»Hohe Dunkelziffer vermutetDeshalb findet Angst es nötig, Rassismus im Zivilgesetz zu regeln; ähnlich wie das die Europäische Union schon seit dem Jahr 2000 tut. Dort sind auch rassistische Handlungen im privatrechtlichen Bereich abgedeckt: Etwa Diskriminierungen, die am Arbeitsplatz, in der Schule oder bei der Wohnungssuche vorkommen, sind damit verboten. «Ein ziviles Gesetz fördert längerfristig das Umdenken in der Gesellschaft», sagt Doris Angst. Die heutige Strafnorm habe aber auch eine präventive Wirkung: «Rassismus wird dadurch gesellschaftlich definiert und fassbar gemacht.» Vorfälle wie jüngst im Art Café in Bern ziehen dank der Strafnorm weitere Kreise. Die Geschäftsleitung des Cafés hatte im März von sich reden gemacht, weil sie Gäste wegwies, die «nur» eine Aufenthaltsbewilligung der Kategorie B besitzen. Die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) und die Gesellschaft Minderheiten in der Schweiz (GMS) publizieren alljährlich eine Chronologie der rassistischen Vorfälle. 81 rassendiskriminierende und fremdenfeindliche Vorfälle wurden im Jahr 2008 durch Gerichte behandelt oder sind in Medien in Erscheinung getreten. Am häufigsten betreffen diese mündliche oder schriftliche Äusserungen. «Es ist schwierig festzustellen, ob Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in der Gesellschaft zu- oder abnehmen», sagt Angst. In den Statistiken würden nur jene Fälle erfasst, die bei der zuständigen Untersuchungsbehörde angezeigt worden seien. Der ganze zivilgesetzliche Bereich bleibe ausgeklammert; die Dunkelziffer sei wahrscheinlich hoch, meint sie. «In erster Linie Prävention nötig»«Um die Leute für Fremdenfeindlichkeit zu sensibilisieren, ist in erster Linie Prävention nötig», sagt die Leiterin der EKR. Dem stimmt die Schweizerin Anna zu. Die 18-Jährige hat einen Simbabwer zum Vater; zusammen mit zwei gleichaltrigen Freundinnen macht sie beim interkulturellen Jugendwettbewerb von Swissblacks mit. Die drei sind sich einig: Es gibt Situationen, in denen es schwierig ist, den Grund für die Ablehnung zu bestimmen. Etwa in den öffentlichen Verkehrsmitteln seien solche Vorkommnisse häufig, erzählen Larissa und Anna: «Steht im Bus jemand auf und sucht sich einen Platz am anderen Ende, wenn wir einsteigen, dann wissen wir nie, ob die Person das tut, weil wir jung sind oder weil wir nicht weiss sind.»Grauzonen im AlltagAuch bei der Lehrstellen- oder Arbeitssuche gibt es Grauzonen: Larissa ist Filipina. «Ich habe keine Probleme wegen meiner Herkunft – aber ich arbeite im Pflegebereich, dort sind die Leute an Filipinas gewöhnt», sagt sie. Oft sei Rassismus geschlechtsspezifisch, meint Anna: «Es kommt vor, dass ich als Prostituierte betitelt werde – auch wenn ich ganz normal angezogen bin.» Larissa stimmt dem zu. Ausländische Burschen gölten dafür als gewaltbereiter als Schweizer. Es gebe aber auch Leute, die sich betont freundlich verhielten, erzählen die Mädchen. Diese Personen zeigten jeweils ein bestimmtes Lächeln, das etwa sagen wolle: «Wir sind so nett und integrieren dich!», das sei ziemlich nervig, sind sich die Jugendlichen einig. «Wenn ich mit Daria unterwegs bin, die schweizerisch aussieht, dann begegne ich weniger Vorurteilen, als wenn ich mit Anna unterwegs bin, die afrikanisch aussieht», meint Larissa. Es sei, als neutralisiere die Freundschaft mit der Schweizerin ihre Herkunft. Plakate sollen aufrüttelnDen Wettbewerb fänden sie toll, sagen die drei. Das Bild hätten sie im Zug aufgenommen und mit dem Slogan versehen: «Do you see a difference? We don’t, friendship has no skin colour.» («Sehen Sie einen Unterschied? Wir nicht, Freundschaft hat keine Hautfarbe.») Damit wollen die drei zeigen, dass sich Freundschaft keine Grenzen setzen lasse. «Ich wünsche mir, dass sich die Menschen Gedanken machen und den Rassismus nicht einfach totschweigen», sagt Larissa: «Wenn es in Schulen ein Fach wie ,Rassismuskunde‘ gäbe, dann wäre ich viel besser auf fremdenfeindliche Aggressionen vorbereitet gewesen, und ich hätte auch gelernt, solche Angriffe nicht persönlich zu nehmen.»

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