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Zinsen sinken gegen null

Die Nationalbank zieht die Alarmglocke: Die Schweizer Wirtschaft könnte 2009 so stark schrumpfen wie seit dem Jahr 1991 nicht mehr. Sie senkt deshalb den Leitzins auf noch 0,5 Prozent.

Die meisten Ökonomen hatten erwartet, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre aggressive Lockerung der Geldpolitik fortsetzen wird. Die neuerliche Senkung des Zielbands für den 3-Monats-Libor um 50 Basispunkte am Donnerstag überraschte deshalb weniger als die gleichzeitig vorgelegte Prognose für 2009. Weil die Schweizer Wirtschaft von der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise «mit voller Wucht» erfasst werde, müsse ein Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,5 bis ein Prozent befürchtet werden, sagte SNB-Präsident Jean-Pierre Roth. Das wäre die stärkste Rezession seit fast zwei Jahrzehnten. 1991 schrumpfte das BIP letztmals stärker, nämlich um 0,9 Prozent. Die Nationalbank ist zudem pessimistischer als die meisten bisherigen Voraussagen. Roth befürchtet gleichzeitig eine Zunahme der Arbeitslosenquote auf dreieinhalb bis vier Prozent, verglichen mit voraussichtlich 2,6 Prozent in diesem Jahr. Die Inflationsgefahr hat sich demgegenüber im Zug der fallenden Rohstoffpreise und der weltweiten Konjunkturflaute verflüchtigt. Für die nächsten beiden Jahre werden Teuerungsraten von 0,9 und 0,5 Prozent erwartet. Den damit verbundenen geldpolitischen Spielraum wollen die Stabilitätshüter entschlossen nutzen. Deshalb halbierten sie den Leitzins auf 0,5 Prozent, ohne das allerletzte Pulver zu verschiessen. Vor fast sechs Jahren ging die Nationalbank beim mittleren Wert des Zielbands sogar auf 0,25 Prozent zurück. Zur Lage der beiden Schweizer Grossbanken sagte Vizepräsident Philipp Hildebrand, deren Widerstandsfähigkeit gegen neue Schocks sei zwar gestiegen. Weitere Verluste seien aufgrund der schwierigen Marktverhältnisse aber nicht auszuschliessen und die Lage bleibe ernst. Lob und KritikDie Politik des billigen Geldes wurde in ersten Reaktionen fast einhellig begrüsst, auch von Finanzminister Hans-Rudolf Merz. Mehr Zurückhaltung beim Ausmass der Zinssenkung und bei der Konjunkturprognose hätten hingegen Konjunkturforscher wie KOF-Chef Jan-Egbert Sturm erwartet. (ap)Seite 11>

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