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Kommentar: Schatten der UBS

Keine Frage: Die Schweizer Bankenaufsicht hat versagt – sie hat das Debakel der UBS nicht kommen sehen. Doch die Liste der Versager enthält auch die Aufsichtsbehörden im Ausland, Bankmanager, Notenbanken, Rating-Agenturen, Medien, Forscher, Konjunkturexperten und viele mehr.Wenigstens machte die Schweizer Aufsicht bei ihren Kernentscheiden in der Krise eine ansprechende Figur. Das gilt für die alte Bankenkommission (bis Ende 2008) wie für die neue Aufsichtsbehörde Finma (ab Anfang 2009). Die Verschärfung der Eigenmittelvorschriften für die Grossbanken war unvermeidlich. Das Rettungspaket für die UBS vom Oktober 2008 bot viel Angriffsfläche, war und ist aber angesichts der Umstände vertretbar. Der Befehl zur Herausgabe von UBS-Kundendaten an die US-Justiz diesen Februar war fast nicht verdaubar, aber eine bessere Alternative für jene Notsituation hat noch kein Kritiker vorgelegt. Und ein Bonustopf von null für die UBS wäre in der Öffentlichkeit gewiss besser angekommen als die bewilligten 1 bis 2 Milliarden – doch eine Nullrunde hätte der UBS und damit auch dem Miteigentümer Staat möglicherweise mehr geschadet.Aber da ist ein Schatten über der Aufsichtsbehörde: Dummerweise war der seit 2006 oberste Bankenaufseher Eugen Haltiner einst Konzernleitungsmitglied der UBS – jener Bank, die im Zentrum der Schweizer Krise steht. Es ist zwar eher unwahrscheinlich, dass die Behörde mit einem anderen Präsidenten völlig anders entschieden hätte. Doch Politik ist ein Geschäft mit Symbolen: Die Wahrnehmung von Befangenheit kann fast so wichtig sein wie die Befangenheit selbst.Jede Aufsichtsbehörde kennt das Dilemma: Sie braucht Fachkompetenz und Branchenerfahrung – was Stellenwechsel vom Beaufsichtigten zum Aufseher und damit den Anschein von Befangenheit fast unvermeidlich macht. Immerhin: Im Finma-Verwaltungsrat muss nicht jeder ein Bänkler oder Versicherungsprofi sein. Gefragt ist vielmehr eine gesunde Mischung. Der neunköpfige Finma-Verwaltungsrat besteht zurzeit aus zwei Ex-Bänklern, drei Ex-Versicherungsmanagern, drei Universitätsdozenten bzw. Anwälten und einem langjährigen Aufsichtsprofi. Ein Querdenker mit kritischer Grundhaltung könnte der Behörde wohl guttun. Es müsste allerdings nicht gleich ein neuer Präsident sein.>

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