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Kommentar: Missbrauch des Antirassismus

Gegen Rassismus sind alle. Als politische Ideologie ist er nicht salonfähig. Rassendiskriminierung dagegen ist gängige gesellschaftliche und politische Praxis. Sie gehört in all ihren Schattierungen zu den Krebsübeln dieser Welt – von der abwertenden Bemerkung über die soziale Ausgrenzung bis hin zur systematischen Verfolgung und Vernichtung ethnischer Gruppen.Rassendiskriminierung gibt es in allen Staaten, wenn auch von Land zu Land in unterschiedlicher Intensität und Ausprägung. Nicht umsonst war die Bekämpfung des Rassismus nach dem Holocaust und den Schrecken des Zweiten Weltkriegs eines der Hauptanliegen bei der Gründung der Uno.So verdienstvoll und notwendig das Engagement der Vereinten Nationen gegen Rassismus ist – mit der Genfer Antirassismuskonferenz steuert die Uno im Effekt das genaue Gegenteil dessen an, was sie erreichen will: nämlich Völkerverständigung, Abbau von Vorurteilen und konkrete Massnahmen zur Umsetzung dieser hohen Ziele.Die antisemitische Rede des iranischen Präsidenten Ahmadinejad ist ein offener Aufruf zu Rassenhass, eine Verhöhnung der Werte, wie sie in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgeschrieben sind. Er ist der prominenteste Vertreter jener Diktaturen und autoritären Regimes, die unter Missbrauch antirassistischer Rhetorik den Kerngehalt der Menschenwürde frontal angreifen. Die Genfer Konferenz bietet Vertretern jener Staaten eine Plattform, die vorgeben, für Rechte zu kämpfen, die sie selbst unterdrücken.Natürlich ist es in jedem Fall besser, auch bei völlig unvereinbaren Standpunkten miteinander zu sprechen, als sich zu bekämpfen. Der Boykott der Konferenz ist deshalb keine Lösung. Man darf das Feld nicht kampflos den Ahmadinejads überlassen. Die westlichen Demokratien, die zwar in Sachen Rassismus grosse historische Schuld tragen, aber daraus immerhin die Konsequenzen gezogen haben, dürfen jedoch zu keiner Relativierung antirassistischer Standards Hand bieten. Besonders wichtig wäre die Einsicht der Uno, derart polarisierende und kontraproduktive Mammutveranstaltungen erst gar nicht mehr einzuberufen.>

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