Zum Hauptinhalt springen

Kommentar: Kampf um Medienmarkt

In ein paar Jahren wird es in der Schweiz noch drei, vier private Medienhäuser geben (die nicht unbedingt schweizerisch sein müssen). Der Konzentrationsprozess, seit Langem im Gang, legt rasant zu. Jetzt wird ums Überleben im enger werdenden Markt gefochten.

Am fittesten scheint die Zürcher Tamedia. Sie hat sich die Berner Espace Media mit «Berner Zeitung» und «Bund» einverleibt, ist in die Ostschweiz vorgestossen und versucht, die Zürcher Landschaft zu erobern. Sie signalisierte auch die Absicht, in die Suisse romande vorzudringen, als sie das Gratisblatt «20 minutes» gegen den «Matin bleu» von Edipresse aufstellte.

Dass die Zürcher nun in drei Schritten das Inlandgeschäft von Edipresse übernehmen, ist die logische Fortsetzung der Strategie. Tamedia wird so nach Ringier und der (nur bedingt vergleichbaren) Publigroupe das dritte Medienhaus mit Aktivitäten beidseits des Saanegrabens.

Auch die NZZ-Gruppe wird einer Fitnesskur unterzogen, während Ringier eine klare Strategie vermissen lässt und damit längerfristig zum Übernahmekandidaten werden dürfte. An wen sich AZ-Medien, «Basler Zeitung» und andere Mittelgrosse anlehnen werden, könnte sich rascher entscheiden, als man anzunehmen geneigt ist. Sollten sich Krise und Strukturwandel akzentuieren, dürften sich Entscheidungen bald aufdrängen.

Bei Tamedia wird spitz kalkuliert. Also darf man davon ausgehen, dass der Zusammenschluss wirtschaftlich sinnvoll ist. Trotzdem drängen sich Fragen auf:

• Wie wirkt sich die Konzentration auf die publizistische Vielfalt aus?

• Werden die Welschen es akzeptieren, dass ihre wichtigsten Zeitungen aus Zürich gelenkt werden?

• Hat die neuerliche Fusion Rückwirkungen auf den Medienplatz Bern und die Zukunft des «Bund»?

Die Vielfalt geht zurück, allerdings nicht wegen des Konzentrationsprozesses. Natürlich hätten Konzerne die Möglichkeit, Meinungen zu monopolisieren. Tamedia kann man dies bisher aber nicht vorwerfen. Doch wenn der Transfer von Zeitungsinhalten von Titel zu Titel forciert wird, könnte das trotzdem zu einer Verarmung des Meinungsspektrums führen.

Was Bezahlzeitungen zu schaffen macht, ist die Veränderung der Nutzung: Sie verlieren Leser; Gratiszeitungen und Internet legen zu. Inserateeinnahmen schwinden, weil Werbung und Rubrikeninserate in andere Kanäle abwandern. In einzelnen US-Regionen serbeln schon Monopolblätter; es wäre vermessen, diese Entwicklung in der Schweiz a priori auszuschliessen.

Ob die Romands die Deutschschweizer Dominanz goutieren werden, ist eine andere Frage. Der Reflex gegen die «Suisses Totos», die Deutschschweizer, ist manchenorts stark. Tamedia wird behutsam agieren müssen, wenn sie am Lac Léman akzeptiert werden will. Immerhin ist es natürlicher, wenn ein welscher von einem Zürcher Medienkonzern übernommen wird als von Waffenfabrikanten wie französische oder von Raidern wie amerikanische Blätter.

Und der Platz Bern? Pietro Supino, VR-Präsident von Tamedia, antwortet so: «Es gibt keine direkten Auswirkungen auf den Medienstandort Bern. Indirekt kann man sagen, dass die Stärkung der wirtschaftlichen Basis (...) den Medien in Bern zugutekommt.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch