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Kommentar: Ein schaler Nachgeschmack

Die Baubranche und die baunahen Bereiche leben zu einem grossen Teil von Aufträgen der öffentlichen Hand. Vergeben werden diese auf der Grundlage schriftlich eingereichter und geheimer Angebote – in sogenannten Submissionsverfahren. Einer gewinnt, und unter dem zunehmenden Kosten- und Spardruck ist dies immer öfter jener mit dem tiefsten Preis. Die anderen gehen leer aus. Es sei denn, sie bilden ein Kartell. Einmal im gleichen Boot, sprechen sie untereinander Aufträge, Preise und Gebiete ab. Jeder bekommt sein Stück vom Kuchen, mal ein kleines, dann ein grösseres. Die Auftraggeber merken in der Regel nicht viel, sind doch die Preise nicht zwingend bei jedem Anbieter gleich.Ein gut organisiertes Kartell simuliert auch Preisschwankungen. Eines aber ist klar: Die Preise sind höher als bei einem funktionierenden Wettbewerb. Dies geht zulasten der öffentlichen Hand und damit der Steuerzahler und Konsumenten. Auch private Auftraggeber bleiben von solchen Praktiken nicht verschont, wie die von der Wettbewerbskommission aufgedeckten und nun geahndeten Absprachen unter acht Berner Elektroinstallationsfirmen gezeigt haben. Hinter der Mehrheit der über 100 von Absprachen betroffenen Bauobjekte stand eine private Bauherrschaft.Die von einem Vertreter der involvierten Firmen geäusserte Rechtfertigung, man sei davon ausgegangen, das auf Anfang 2004 verschärfte Kartellgesetz gelte nur für marktbeherrschende Unternehmen, wirkt etwas peinlich. Positiv zu werten ist, dass alle Firmen ab Beginn der Untersuchung mit der Wettbewerbsbehörde zusammengearbeitet haben. Den Anstoss dazu hat die sogenannte Kronzeugenregelung gegeben, die bei kooperativen Kartellmitgliedern zu einer Reduktion der Busse führt.Dennoch bleibt ein schaler Nachgeschmack: Mit Energie Wasser Bern gehörte auch ein vom Gemeinderat der Stadt Bern beaufsichtigter öffentlicher Betrieb zu den Kartellsündern. Nach den Sommerferien ist für Zündstoff im Stadtrat gesorgt.

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