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Kommentar: Das Ende einer Illusion

Es braucht Mut, eine Illusion zu zerstören. Mit seinem Entscheid, auf das Raketenabwehrsystem in Osteuropa zu verzichten, hat US-Präsident Barack Obama diesen Mut bewiesen. Sein Vorgänger hatte den US-Bürgern vorgegaukelt, Amerika werde dank Spitzentechnologie und Dollarmilliarden wieder unverwundbar wie vor dem Zeitalter der Atombomben und Langstreckenraketen. Dieser Traum musste ebenso platzen, wie der Versuch der Regierung Bush scheiterte, die USA zu einer Macht zu formen, der keine Grenzen mehr gesetzt sind.Obama hat mit seinem Schritt die US-Sicherheitspolitik zurückgeholt in die Realität. Hier droht mehr denn je eine weitere Verbreitung der Atomwaffen. Indem nun die USA auf weniger ambitionierte Waffensysteme setzen, verlieren sie – wenigstens zum Teil – das Stigma eines drohenden Imperiums. Dafür gewinnen sie die Rolle eines Vorbilds zurück, das nicht nur von andern fordert, abzurüsten, sondern damit vorangeht.Das sollte vor allem auch Russland tun. Der Kreml hat stets auf den Raketenschirm in Osteuropa verwiesen, wenn er einen neuen, umfassenden Abrüstungsvertrag ablehnte. Nun hat Obama Handlungsspielraum gewonnen: Er kann Moskau beim Wort nehmen, insbesondere was die Rüstungskontrolle betrifft. Und dies ist letztlich auch im Interesse von Tschechien und Polen, die nun dem Raketenschirm nachtrauern.Allerdings agiert Obama nicht ohne Risiko. Vor allem zu Hause droht Ungemach. Der Raketenschirm ist ein Liebkind der Republikaner. Will Obama nicht, dass die alten Kalten Krieger im Kongress seine Abrüstungspläne sabotieren, muss er Überzeugungsarbeit leisten. Dabei braucht er viel Ausdauer. Mut allein reicht jetzt nicht mehr.

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