Grass, Jelinek, jetzt Müller

Nicht überraschend und trotzdem eine Sensation: Die deutsch-rumänische Schriftstellerin Herta Müller erhält den Literaturnobelpreis.

Damit wird nach Günter Grass (1999) und Elfriede Jelinek (2004) zum dritten Mal in zehn Jahren die deutschsprachige Literatur ausgezeichnet – einmal mehr leer gehen die seit Jahren hoch gehandelten Amerikaner Roth, Johnson und Pynchon aus.

Auf eine karge, spröde und poetische Weise bringt Herta Müller in ihren Büchern zur Sprache, was es bedeutet, permanent in Angst und Schrecken gehalten zu werden und dennoch am Anspruch auf Wahrheit festzuhalten. Das Leben in Rumänien unter dem Ceausescu-Regime hat sie dafür stark gemacht. Nach bitteren Erfahrungen mit Zensur und politischer Verfolgung in Rumänien lebt Müller seit ihrer Ausreise 1987 in Berlin. Sie thematisiert in ihren Büchern immer wieder die menschenverachtenden, grausamen Seiten des Kommunismus.

Der breiten Leserschaft war Müller bisher kaum bekannt, obwohl sie fast alle wichtigen deutschsprachigen Literaturpreise bekommen hat. Das ändert sich nun: Ihr jüngstes Werk «Atemschaukel» schildert die grausamen Erfahrungen eines 17-jährigen Deutschen, der im Zweiten Weltkrieg von Russen aus Rumänien zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert wird. Das Werk stieg beim Internet-Händler Amazon gestern auf Platz 3 der meistgefragten Titel. Vorher war der Roman nicht einmal unter den begehrtesten 100.

Ihren Preis wollte Müller gestern noch nicht kommentieren. «So etwas habe ich nicht erwartet. Es ist noch nicht im Kopf angekommen», sagte sie vor den Medien in Berlin. (kul)

Der Bund

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