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Ein perfekter Anfang

Obama wolle das von seinem Vorgänger «angerichtete Unheil» korrigieren. Das schrieb der Kommentator einer saudischen Zeitung am Tag vor der Rede des amerikanischen Präsidenten in Kairo. Und die muslimische Welt sei voller Hoffnung, dass er dies schaffe. Zweifelsfrei hat Barack Obama in seiner Rede den Ton getroffen und die richtigen Worte gewählt – während Wochen haben seine Berater und Redenschreiber an jedem Detail des Auftritts gefeilt. Entstanden ist eine perfekte Mischung aus Splittern aus Obamas eigener Lebensgeschichte, Zitaten aus dem Koran, der Bibel und dem Talmud, aus Schuldeingeständnissen und Forderungen, aus Hinweisen auf gemeinsame Interessen und die Aussicht auf eine Welt, in der die Menschen friedlich zusammenleben. «Wir wissen, dass dies die Vision Gottes ist. Nun muss es unser Werk hier auf Erden sein», sagte Obama zum Schluss. Sorgfältig den Boden für seine Botschaft bereitet hatte er bereits in den Wochen vor dieser Reise in den Nahen Osten. Mit Staunen hat die muslimische Welt dabei vor allem seine klaren Aussagen zum israelisch-palästinensischen Konflikt zur Kenntnis genommen. Immer wieder haben die Palästinenser und die arabischen Länder in der Vergangenheit erfahren müssen, dass die USA zwar bei Verhandlungen als Friedensvermittler aufgetreten sind, sich jedoch, wenn es um harte Entscheide ging, stets auf die Seite Israels gestellt haben. Obama hat den Palästinensern in seiner Rede Hoffnungen auf einen eigenen Staat gemacht – die Beweise dafür, dass er seinen Worten im entscheidenden Moment auch Taten folgen lässt, wird er nun möglichst rasch liefern müssen.Nur so wird er seinem Ziel, dem Neubeginn in den Beziehungen zwischen dem Westen und der muslimischen Welt «basierend auf gegenseitigem Interesse und gegenseitigem Vertrauen», einen Schritt näherkommen. Der Applaus, der ihm in der Universität in Kairo mehrmals entgegenbrandete, war der Applaus einer Elite – nicht der Applaus aller 1,2 Milliarden Muslime auf dieser Welt. Das Misstrauen gegen die USA, die aus wirtschaftlichen und strategischen Überlegungen diktatorische, korrupte Regierungen unterstützen oder gar als Freunde behandeln – Saudi-Arabien und Ägypten, die beiden Stationen auf Obamas Reise im Nahen Osten, sind nur zwei davon –, besteht weiter . Dass sich die Sicht des amerikanischen Präsidenten auf die Welt und seine Vorstellungen vom Zusammenleben der Menschen grundsätzlich von denen seines Vorgängers unterscheiden, hat diese Rede nochmals klargemacht. Sie ist ein guter Anfang – berechtigt sind die Hoffnungen, dass angerichtetes Unheil und Fehler korrigiert werden.>

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