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Das Jahr der Wahrheit

2009 wird das Jahr der Wahrheit. Das Jahr, in dem der Sturm, der einst im US-Immobilienmarkt begann, seine volle Breitenwirkung entfaltet. Die meisten Industrieländer müssen mit einer schrumpfenden Wirtschaft rechnen. Auch die Schweiz, die wie so oft auf Gedeih und Verderb der Weltwirtschaft ausgeliefert ist.Wie schlimm es kommt, ist die grosse Frage. Laut typischen Prognosen wird die Schweizer Wirtschaft im nächsten Jahr vielleicht um ein halbes oder ein ganzes Prozent schrumpfen. Das klingt zunächst nicht dramatisch. Doch dies heisst, dass gewisse Branchen und Firmen mit Umsatzeinbussen von 20 Prozent oder mehr rechnen müssen, während andere noch weiter wachsen. Es bedeutet, dass viele Firmen pleitegehen. Und vor allem, dass die Arbeitslosigkeit stark zunimmt. Statt knapp 110000 wird die Schweiz in einem Jahr vielleicht 150000 oder 160000 Arbeitslose zählen.Das ist noch weit von der Depression nach 1929 entfernt. Auch die Stagnation der 1990er-Jahre war am Arbeitsmarkt deutlich schlimmer – vor allem weil sie so lange dauerte. Die Notenbanken dieser Welt feuern derzeit aus allen Rohren, um das Gespenst einer langen und tiefen Rezession zu verscheuchen. Die Nationalbank hat nun in ihrer Zinspolitik einen Grossteil des verbliebenen Pulvers verschossen. Um ihre jüngste Leitzinssenkung durchzusetzen, bietet sie den Geschäftsbanken Jahreskredite zu läppischen 0,05 Prozent an – auf dass die Banken die für die Volkswirtschaft so zentrale Kreditversorgung trotz gestiegenen Risiken zu möglichst günstigen Preisen aufrechterhalten.Eine Kreditverknappung ist in der Schweiz bisher nicht sichtbar. Dennoch kann man die Forschheit der Nationalbank verstehen: Die vorläufige Abmeldung der Inflationsgefahren erlaubt es, und der Ernst der Konjunkturlage rechtfertigt es. Doch auch Gratisgeld kann die Rezession nicht verhindern, sondern bestenfalls etwas mildern. Das wäre immerhin schon was. Und noch etwas: Der Wiederaufschwung wird kommen. Nicht morgen vielleicht. Aber übermorgen. Oder am Tag danach. >

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