Zum Hauptinhalt springen

«Willkürliche Annahmen»

Das Zugunglück im Jahr 2003 in Zürich-Oerlikon,

Mehr als fünfeinhalb Jahre nach dem Zugunglück von Zürich-Oerlikon mit einer Toten und mindestens 24 Verletzten hat das Zürcher Obergericht gestern einen SBB-Mitarbeiter auch in zweiter Instanz vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung freigesprochen. Beim Bahnhof Zürich-Oerlikon hatte am Abend des 24. Oktobers 2003 ein aus Zürich kommender Regio-Express ein Rotlicht überfahren und war mit einem Schnellzug aus Schaffhausen zusammengeprallt. Eine 22-jährige Touristin aus Tschechien war dabei getötet worden, mindestens 24 weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Die Ermittlungen hatten ergeben, dass beim Regio-Express ein Bremshahn geschlossen war, sodass der Lokführer nicht mehr abbremsen konnte. 12 Monate bedingt gefordertDie Staatsanwaltschaft bezeichnete vor dem Zürcher Obergericht den heute 57-jährigen Zugbegleiter des Regio-Expresses als verantwortliche Person. Er habe vor der Abfahrt des Zugs aus Bequemlichkeit nicht kontrolliert, ob die beiden vordersten Wagen richtig gekuppelt gewesen seien. Zudem habe er eine Bremsprobe vorschriftswidrig durchgeführt, lauteten die zentralen Vorwürfe der Anklage. Sie forderte eine Verurteilung des Mannes zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Monaten bedingt wegen fahrlässiger Tötung und mehrfacher fahrlässiger Körperverletzung. Die Anklage stützte sich auf ein im Kanton Bern verfasstes Gutachten ab, das sowohl einen Sabotageakt wie auch jegliche mechanische Auswirkung auf den Bremshahn während der Fahrt ausgeschlossen hatte. Der Verteidiger plädierte auf einen vollen Freispruch, weil dem Zugbegleiter kein strafrechtlich relevantes Verhalten nachzuweisen sei. Zwar habe der Mann gegen die Dienstvorschriften verstossen, weil er zu schnell und nicht plangemäss kontrolliert habe. Diese Regelverstösse stünden jedoch nicht kausal im Zusammenhang mit dem Unfall. Zudem kritisierte er das Gutachten der Gegenpartei als mangelhaft. Unbrauchbares Gutachten Auch die Oberrichter stuften den Bericht als durchsetzt von willkürlichen Annahmen und als unwissenschaftlich ein. Deshalb könne nicht auf dieses Gutachten abgestellt werden. Mit der Folge, dass das Obergericht den erstinstanzlichen Freispruch des Bezirksgerichts Zürich vom April 2008 umfassend bestätigte. Der Zugbegleiter, der bereits von der Vorinstanz eine Prozessentschädigung von 12000 Franken erhalten hatte, wird zudem mit 3000 Franken entschädigt. (ap)>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch