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Todesurteile im Milchskandal

Im Skandal um verseuchtes Babymilchpulver hat ein chinesisches Gericht zwei Männer zum Tode verurteilt. Die als Hauptschuldige geltende frühere Chefin des mittlerweile bankrotten Sanlu-Konzerns und zwei weitere Angeschuldigte erhielten lebenslänglich.

Das mit Melamin verseuchte Milchpulver wird für den Tod von mindestens sechs Babys verantwortlich gemacht, etwa 300000 weitere Kinder erkrankten. Insgesamt 21 Angeklagte standen deshalb in der nordchinesischen Stadt Shijiazhuang vor Gericht. Die beiden zum Tode verurteilten Männer sollen die giftige Chemikalie Melamin hergestellt beziehungsweise die verseuchten Milchprodukte verkauft haben. Dem 40-jährigen Zhan Yujun warf das Gericht vor, er habe das grösste Labor zur Melamin-Produktion betrieben. Ein dritter Mann wurde zu einer ausgesetzten Todesstrafe verurteilt, die üblicherweise in lebenslange Haft umgewandelt wird. Monatelang vertuschtDer Skandal wurde im September vergangenen Jahres aufgedeckt. Den Ermittlungen zufolge sollen Zwischenhändler die Milch zunächst mit Wasser verdünnt und ihr dann Melamin zugesetzt haben, um einen höheren Proteingehalt vorzutäuschen. Der Verzehr der Chemikalie in grösseren Mengen kann zu Nierensteinen und Nierenversagen führen. Die ehemalige Geschäftsführerin des Molkereikonzerns Sanlu, Tian Wenhua, bekannte sich im Laufe des Prozesses schuldig, qualitativ minderwertige Ware hergestellt und verkauft zu haben. Die 66-Jährige räumte ein, ihr Wissen über eine Verunreinigung der Milch monatelang für sich behalten zu haben. Ihr steht nun lebenslange Haft bevor. Ausserdem muss sie 20 Millionen Yuan (2,25 Mio Euro) Strafe zahlen. Das inzwischen bankrotte Unternehmen Sanlu wurde zur Zahlung von 50 Millionen Yuan Strafe verurteilt. Insgesamt wurden zwölf Urteile verkündet. Zwei weitere Angeklagte müssen ebenfalls lebenslang in Haft, andere erhielten Gefängnisstrafen von 5 bis 15 Jahren. Vor dem Gericht in Shijiazhuang versammelten sich gestern zahlreiche Angehörige von erkrankten oder verstorbenen Babys. Der Prozess fand unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Die Polizei bewachte das Justizgebäude und riegelte die nähere Umgebung ab. «Sie sollte erschossen werden» Eine Frau aus der Provinz Henan kritisierte das Urteil gegen Tian. «Meine Enkelin ist gestorben. Sie (Tian) sollte auch sterben, sie sollte erschossen werden», erklärte Zheng Shuzhen. Ein Anwalt der Opferfamilien sagte, die Urteile seien hart, aber die Angeklagten seien Sündenböcke. «Kein Regierungsbeamter wurde dafür angeklagt, dass er seiner Aufsichtspflicht nicht gerecht wurde», sagte Anwalt Li Fangping. Sanlu sowie weitere 21 Molkereien haben eine Entschädigung in Höhe von insgesamt 1,1 Milliarden Yuan (124 Millionen Euro) angeboten. Mehr als 200 Familien haben Klage eingereicht, um eine höhere finanzielle Entschädigung zu erreichen. Ausserdem fordern sie, dass ihre Kinder langfristig kostenlos behandelt werden. (ap) >

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