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Kölner Stadtarchiv eingestürzt

Dramatischer Rettungseinsatz in Köln: Nach dem Einsturz des Historischen Stadtarchivs sucht die Polizei nach mindestens drei vermissten Personen.

In der Kölner Innenstadt stürzte gestern das Historische Stadtarchiv komplett ein und riss zwei Nachbargebäude mit. Die mehrgeschossigen Häuser seien auf einer etwa 30 Meter breiten Front in weiten Teilen kollabiert, sagte der Direktor der Kölner Feuerwehr, Stephan Neuhoff. Die Trümmer seien auch auf die Strasse und eine nahe gelegene U-Bahn-Baustelle gestürzt. Über 200 Feuerwehrleute schwärmten zur Unglücksstelle aus. Drei Menschen galten am Abend gemäss Polizeiangaben als vermisst. Die Feuerwehr sprach von zwei bis neun Vermissten. Es gebe widersprüchliche Aussagen, ob sich in einer Spielhalle in einem der Nachbargebäude Personen aufgehalten hätten oder ob Menschen unter dem Gebäude begraben wurden. Mit Spürhunden wurde fieberhaft nach Vermissten gesucht. Das Unglück habe sich durch rumpelnde Geräusche angekündigt, sagte Neuhoff. Mitarbeiter und Besucher des Stadtarchivs sowie Anwohner hätten deshalb rechtzeitig fliehen können. U-Bahn-Bau als Auslöser? In der Kölner Südstadt bot sich am Nachmittag ein Bild der Zerstörung. Ein Wohnhaus neben dem Archiv wurde bis zum Dachboden aufgerissen, Teile von Wohnungen wurden sichtbar. Waschbecken hingen in der Luft, Kühlschränke und Kücheneinrichtungen lagen im Freien. Augenzeugen erzählten von einem dumpfen Krachen und einer riesigen Staubwolke. Der Einsturz steht nach ersten Erkenntnissen im Zusammenhang mit dem Bau der U-Bahn in der Kölner Südstadt. Im Zuge der Arbeiten sei nahe der Unglücksstelle ein grosser Keller errichtet worden, teilten Feuerwehr und Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) gestern Abend mit. In diesem unterirdischem Raum habe offenbar «irgendetwas nachgegeben», sagte Feuerwehrchef Neuhoff. Dadurch sei das Erdreich unter dem Stadtarchiv weggesackt. Nach Angaben der Stadt mussten die Menschen in einem Umkreis von 150 Metern um die Unglücksstelle ihre Häuser verlassen. Auch ein benachbartes Altersheim wurde evakuiert. Dokumente aus 1000 JahrenUnklar war zunächst, ob die im Stadtarchiv aufbewahrten Dokumente verloren sind. Das historische Stadtarchiv in Köln gilt als das grösste und vollständigste kommunale Archiv nördlich der Alpen – die einzige Lücke habe zwischen 1927 und 1945 geklafft, da der Aktenbestand dieser Jahre bei einem Bombenangriff 1945 im Rathauskeller in Flammen aufgegangen sei. Das Archiv umfasst Dokumente aus über tausend Jahren Kölner, rheinischer und preussischer Geschichte. Das «Gedächtnis» der Stadt Köln umfasst 65000 Urkunden ab dem Jahr 922, 104000 Karten und Pläne, 50000 Plakate und rund eine halbe Million Fotos. Zudem sind dort 780 Nachlässe und Sammlungen, unter anderem von Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll, gelagert worden. (sda/ap)>

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