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Japaner auf «Hochzeitsjagd»

Todschick und nervös sind die rund 100 jungen Männer und Frauen, die sich an diesem milden Abend in einer Tokioter Villa versammelt haben. Cocktails in der Hand, sind die Japaner im Alter zwischen 20 und 40 Jahren konzentriert bei der Sache – schliesslich suchen sie den Partner fürs Leben. Sie sind auf «Hochzeitsjagd» – japanisch Konkatsu. Konkatsu ist das grosse Thema in den Zeitschriften, in einer Fernsehserie und einem Bestseller. In einem religiösen Zentrum in Tokio werden Konkatsu-Gebete angeboten, ein Baseball-Stadion in Hokkaido weist Sitzplätze für bindungswillige Singles aus. Ein Dessoushersteller erfand den BH mit eingebauter Uhr, deren Ticken nur durch Einlegen eines Verlobungsringes gestoppt werden kann.Japaner in Partylaune? Japan, bisher berüchtigt für seine rigide Arbeitsmoral, scheint in Partystimmung zu kommen. Eine Million Mitglieder meldete die Online-Singlebörse Match.com im März – damit avancierte Japan nach den USA zum zweitgrössten Partnervermittlungsmarkt. Partys wie die in der Villa sind inzwischen populär. «Mir gefällt diese Art, neue Leute kennenzulernen», sagt ein 27-jähriger Büroangestellter. «Wenn meine Freunde dabei sind, fällt es mir schwer, Frauen anzusprechen.» Auf die 100 Plätze zur Eheanbahnungsparty hatten sich 300 Leute beworben – die meisten Männer. Für das Hochzeitsfieber gibt es viele Gründe. Einer davon ist die Rezession, in der Frauen zur Absicherung statt einer Karriere lieber eine Ehe anstreben. «Ich habe inzwischen Frauen zwischen 20 und 30 Jahren, die einen Mann mit sicherem Job und Einkommen suchen», sagt Toneko Bando, Gründerin des Partnervermittlungsdienstes PIF. Viele Frauen denken bereits weiter und verfallen ins «Babyfieber» oder Sankatsu. Partnervermittlerin Bando offeriert Fruchtbarkeitstests und Kochkurse, «damit die Frauen fit werden fürs Kinderkriegen». Für die Eheberaterin Yoko Itamoto ist das Phänomen Ausdruck einer sozialen Krise. Während traditionell in Japan die Ehen arrangiert wurden, müssten sich Heiratswillige heutzutage ihre Partner selbst suchen, was vielen nicht gelinge, erklärt sie: «Die Kommunikationsfähigkeiten vieler Leute sind einfach nicht gut genug für die Partnersuche – egal wie viele Kandidaten sie treffen.»>

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