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Im Nachtschatten

Eva Huber, Bern: Wieso tragen Pflanzen wie Kartoffeln, Tomaten oder Stechäpfel einen so poetischen Namen wie Nachtschattengewächse? Allen gemeinsam ist, dass ihre Blüten hochgiftig sind. Doch es gibt ja eigentlich in der Nacht keinen Schatten.

Die weltweit verbreitete Familie der Nachtschattengewächse (wissenschaftlich Solanaceae) umfasst tatsächlich eine sehr interessante Palette von Nutzpflanzen wie Kartoffel, Tomate oder Tabak, Zierpflanzen wie Petunien sowie Wildpflanzen, deren Blätter, Blüten oder Früchte teils hochgiftig sind, darunter die Tollkirsche oder der Stechapfel. Gift ist ja bekanntlich eine Frage der Dosis, und so kommen Giftstoffe durchaus auch in den Nutzpflanzen vor, aber in den genutzten Teilen nur in sehr geringer Konzentration, oder nur im unreifen Zustand.

Seit mindestens 1532 ist der deutsche Name der Nachtschattengewächse überliefert. Otto Brunfels erwähnte ihn in seinem Kräuterbuch, einer absoluten Pionierarbeit. Wir wissen zwar trotzdem nicht genau, wer den Namen prägte, aber immerhin ist die Bedeutung des Namens relativ gut gesichert. Sie hat weder damit zu tun, dass die Arten nachts ihre Blüten öffnen würden, noch mit einer Vorliebe für schattige Stellen. Beides wird zwar häufig vermutet, ist aber nicht der Fall.

Der deutsche Name für die ganze Familie leitet sich von dem der Gattung Solanum (Nachtschatten) ab, der auf dem mittelalterlichen deutschen Begriff des Nachtschadens beruht, einem alten Wort für einen Albtraum. Einheimische Solanum-Arten, wohl vor allem der weit verbreitete Schwarze Nachtschatten Solanum nigrum, wurden im Mittelalter als Heilmittel zur Vermeidung und Vertreibung von Albträumen verwendet und deshalb Nachtschaden- und später Nachtschattengewächse genannt.

Markus Fischer, Professor für Pflanzenökologie

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