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Hat die Polizei gelogen?

London Die Geschworenen bei der Gerichtsverhandlung um Jean Charles de Menezes, den brasilianischen Elektriker, der im Juli 2005 von einem Kommando der Londoner Polizei in einer U-Bahn gezielt erschossen worden war, haben sich gestern nach mehrtägiger Beratung nicht einigen können. Sie fällten ein «offenes Urteil», weigerten sich damit also, dem Wunsch der Polizei zu folgen, wonach die Tötung rechtmässig erfolgt sei.Der Richter, der Coroner, hatte den Geschworenen schon vorher verboten, das Urteil «widerrechtliche Tötung» zu fällen, das automatisch strafrechtliche Konsequenzen für die beteiligten Beamten gehabt hätte. Aber der Coroner stellte den Geschworenen Zusatzfragen. Aus den Antworten geht hervor, dass die Geschworenen den Polizei-Zeugen nicht glaubten, sie hätten Warnungen geschrien, bevor sie schossen. Sie glaubten auch nicht, dass de Menezes bedrohlich auf die Beamten zugegangen sei. Passagiere im Zug hatten diesen beiden Angaben einhellig unter Eid widersprochen. Die Angehörigen des unschuldigen Opfers, das die Polizei unverzeihlicherweise mit einem Attentäter verwechselt hatte, der tags zuvor erfolglos versucht hatte, eine Bombe in der Londoner Untergrundbahn zu zünden, beschuldigten den Coroner, er habe von Anfang an bloss die Polizei rein waschen wollen. Martin Alioth>

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