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Deutsche werden breiter

Die Deutschen wachsen – in die Länge, aber noch mehr in die Breite. Was Gesundheitsexperten seit Jahren feststellen, hat jetzt eine Untersuchung von mehr als 13000 Männern, Frauen und Kindern bestätigt.

Wie die am Dienstag in Köln vorgestellte Studie «Size Germany» ergab, nahm der Brustumfang der Frauen im Durchschnitt seit 1994 um 2,3 Zentimeter zu, der Taillenumfang um 4,1, das Hüftmass um 1,8 Zentimeter. Die durchschnittliche Körpergrösse stieg um einen Zentimeter. Bei den Männern fällt die Zunahme noch deutlicher aus: Brust plus 7,3, Taille plus 4,4, Hüfte plus 3,6 cm gegenüber 1980. Und 3,2 Zentimeter gewachsen sind sie auch. Auf der Grundlage der neu ermittelten Körpermasse sollen nun die Konfektionsgrössen verändert werden. So soll etwa bei der Damen-Konfektionsgrösse 36 weiterhin ein Brustumfang von 84 Zentimetern angenommen werden; die Taillenweite wird um einen auf 69 Zentimeter vergrössert, der Hüftwert um einen auf 93 Zentimeter verringert. Damit soll sich die Passform der Kleidungsstücke verbessern. Mit der Zunahme der Körpermasse setzt sich ein seit Längerem beobachteter Trend fort. Bereits bei der letzten Reihenmessung der Frauen im Jahr 1994 lag der Brustumfang um durchschnittlich 1,7 Zentimeter über dem von 1981, der Taillen- und Hüftumfang je um 2,2 Zentimeter. Als Ergebnis der Reihenmessung von 1994 war deshalb zum Beispiel für die Kleidergrösse 40 der Taillen- und Hüftumfang um jeweils 2 Zentimeter vergrössert worden. Bei Grösse 34 nahm der Hüftumfang sogar um 2,5 Zentimeter zu. Doch was heisst Durchschnitt? Nur rund ein Fünftel der Frauen haben die in den Standardgrössen angenommenen Proportionen. Nach der Reihenmessung von 1994 liegt das unter anderem daran, dass fast 60 Prozent entweder zu schmale oder zu starke Hüften haben. Zudem verändert sich die Figur im Laufe eines Lebens unabhängig vom Gewicht. So schrumpft die Körpergrösse wegen der nachlassenden Elastizität der Bandscheiben. Die besseren Lebensverhältnisse im Nachkriegsdeutschland haben die Körpergrösse der Jüngeren anwachsen lassen. Das Längenwachstum scheint aber zu stagnieren, wie Konrad Zellner vom Institut für Humangenetik und Anthropologie der Universität Jena aufgrund regelmässiger Untersuchungen von Kindern und Jugendlichen feststellte. «Beim Gewicht ist das leider nicht der Fall», fügte er hinzu. Eine Steigerung der Länge ist nach Zellners Angaben in der Regel einerseits darauf zurückzuführen, dass die Lebensverhältnisse der Menschen besser werden, vor allem was Ernährung und Gesundheitsverhältnisse angeht. Hinzu kommen genetische Faktoren, die eine gewisse Bandbreite von Grössen vorgeben. «Es könnte sein, dass wir uns allmählich dem oberen Ende dieser Bandbreite nähern.» Mehr als 100 Geldgeber haben die jetzt veröffentlichte Reihenmessung finanziert. Gut 80 bekannte Marken sowohl für Ober- und Sportbekleidung als auch für Wäsche sind darunter, ebenso die grossen Kaufhäuser und fast alle deutschen Autohersteller. Die Körper von 13362 Männern, Frauen und Kindern im Alter von 6 bis 87 Jahren sind in den vergangenen eineinhalb Jahren digital vermessen worden. 44 Körpermasse wie Hüft- und Brustumfang wurden genommen sowie 53 Körpermasse für technische Ergonomie. Die Teilnehmer wurden im Stehen und im Sitzen gescannt. Die im Sitzen ermittelten Körpermasse werden für die Autoindustrie ausgewertet, um Sitze und Bedienkomfort in Fahrzeugen zu optimieren. Hendrik Klein und Angelika Bruder, AP, Köln>

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